Acabus 2010
Acabus 2010

 

Markus Walther – Kleine Scheißhausgeschichten

 

Anregendes für stille Orte

 

Wer die erste Hürde zum Buch genommen hat und den, mit Verlaub, pubertären Titel mitsamt des (inhaltlich) eher unpassenden Titelbildes (Gevatter Tod als Skelett auf der Toilette, wie sachlich falsch in jedweder Hinsicht) genommen hat, der stößt durchaus auf eine unterhaltsame, manches Mal lehrreiche, immer aber leicht und anregend zu lesende Sammlung kleinster Geschichten.

 

Kleinste Geschichten (und nicht kleine Geschichten oder Kurzgeschichten), im Fachwort „Mikrofiktion“ ist das, was Markus Walther bietet. Geschichten, die in der Regel auf einer Dina4 Seite Platz finden und in unaufgeregter, unterhaltsamer Weise durchaus den Zweck treffen, der genannt ist: Unter anderem an dem Ort, an dem man weitestgehend endlich einmal in Ruhe und alleine sich befindet, in genau abgemessener Form, ohne sich für Stunden Festlesen zu müssen, ohne aber auch das Etikett des WC Reinigers nach einigen Seiten doch für interessanter zu befinden, durch Lesen Entspannung zu finden.

 

Dass Engel ein hartes Tagewerk haben, zum Beispiel, und genauso wie manch gestresster Vater oder Mutter dankbar sind, sich auf einen stillen Ort für den ein oder anderen Augenblick zurückziehen zu können. Oder der doppelte Albtraum der Magierin im tobenden Krieg des Fantasy Reiches und zeitgleich der einer Hausfrau ganz bodenständig im Kinderzimmer (und wie beide zusammenhängen).

Endlich findet sich auch eine (nicht ganz ernst gemeinte) Erklärung für das Verschwinden von Socken, von denen nach einiger Zeit immer wieder nur ein einzelner pro Paar zurückbleibt. Jeder gut sortierte Haushalt sollte seine Waschmaschine einmal auf Hermiken untersuchen lassen (Tipp: Unter der Waschtrommel nachschauen). Vielleicht findet sich ja ein stressfreieres miteinander mit den kleinen Wesen.

 

Von fantastisch (der Verbleib Godzillas nach seiner endgültigen Niederlage) bis heiter, von ein wenig tiefgründig bis gruselig (der arme Vampir auf dem Schrank, der Opfer des Mädchens werden wird) reicht der Bogen der Themen und Ideen, denen sich Markus Walther in seinen 68 Kürzestgeschichten zuwendet.

 

Sprachlich immer flüssig und leicht zu lesen, oft mit unverhofften Wendungen und überraschenden Ansätzen, bieten die Geschichten eine durchaus angenehme Lektüre (übrigens nicht nur auf den Toiletten dieser Welt). Um den Genuss zu steigern und die einzelnen Ideen und kreativen Momente auf sich wirken zu lassen, sollte man allerdings nicht zu viele der Geschichten auf einmal lesen, ansonsten drohen so manche Eindrücke zu verwischen. In dieser Hinsicht ist die Empfehlung des Leseortes durchaus stimmig.

 

Ein unterhaltsames Buch mit verschiedensten kurzen Geschichten, die im Gesamten einen leichten Hang zum fantastischen und fiktionalem  besitzen. Es gibt weitaus schlechtere Möglichkeiten, die Zeit auf dem stillen Ort zu verbringen. Hochliteratur sollte man allerdings nicht erwarten (da reicht bereits der oben erwähnte Titel des Buches, um dieser Gefahr entgegen zu treten).

 

M.Lehmann-Pape 2010