dtv 2015
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Matthew Quick – Goodbye Bellmont

 

Wunderbar erzählter Entwicklungsroman

 

Das ist schon eine ziemliche Reife, die der junge Finley da an den Tag legt. Zunächst auf Bitten seines Trainers, in der tieferen Region seines Wesens aber letztlich aufgrund seines Gewissens, seiner inneren Verantwortlichkeit.

 

Und das sin einer durchaus harten Welt, auch wenn der schnoddrige Ton, der in diesem Buch gerade zu Beginn vorherrscht, dies manches Mal ein stückweit verdeckt.

 

Finley selbst ist zunächst ein großer Schweiger, der mit seinem Vater (der damit beschäftigt ist, den Kopf über Wasser zu halten) und seinem „beinlosen Opa“ (der seine Beine bei einem konkreten, später noch wichtig werdenden Anlass verloren hat) gemeinsam im Haus lebt. Der alles für Basketball gibt. Auch wenn er nicht der begabteste Spieler der Schule ist, zäh ist er, mit ganzem Herzen dabei.

 

Und bei Erin, seiner Freundin, mit der er auf dem Dach des Hauses, vor seinem Zimmerfenster, intime Momente, Nähe genießt.

 

In einer Welt der „irischen Mafia“, der harten, brutalen jungen Männer, des „langen Gedächtnisses“ und der konsequenten Ahndung von Verrat und „Ausscheren aus der Reihe“.

 

Eine Spirale von Gefahr und Bedrohung, die nicht nur Ferin späterhin zusetzen wird, sondern die auch die zarte Beziehung von Finley und Ferin vor eine harte Bewährungsprobe stellen wird.

 

Ein zweite Bewährungsprobe, genauer gesagt, denn die erste Anspannung und innere Reibung entsteht direkt zu Beginn der Geschichte, als der junge „Boy21“ in die Stadt, auf die Schule kommt. Hinter dem sich eines der größten Basketballtalente des Landes verbirgt. Der durch ein dramatisches Geschehen traumatisiert ist. Der, je mehr er zu sich selber finden wird, für Finley eine echte Konkurrenz darstellen wird.

 

Im Team, in dem Finley droht, aus der Stammformation verdrängt zu werden. Bei Erin, die dem „Neuen“ auf Dauer nicht ohne Interesse gegenüberstehen wird.

 

„Gib einfach Dein Bestes. Denk daran, es ist ein langer Weg und am Ende wirst Du dein Talent schon unter Beweis stellen“.

 

Eine einfache Regel seins Vaters, ein stückweit wie der amerikanische Traum, vor allem aber in letzter Konsequenz einfach nicht wahr.


Was Finley erleben wird. An dem er sich abarbeiten, reiben und aufrichten wird. Ein Weg, auf dem er, auf andere Weise, als er selber gedacht hätte, sich den Respekt der anderen verschaffen werden wird.

 

Auch wenn die Geschichte selbst nicht unbedingt völlig fesselt und fasziniert, die Entfaltung der verschiedenen Personen im Buch und des Klimas der Angst und Bedrohung, der Resignation (beim Großvater) und des „sich Freistrampelns“ (bei Finley und Ferin) ist die Lektüre allemal wert und wird von Quick in sehr ruhiger, sehr logischer und umfassender Form geschildert.

 

M.Lehmann-Pape 2015