Emons 2013
Emons 2013

Meinrad Braun – Gabun

 

Abenteuer in Afrika

 

Bei einem Psychotherapeuten als Autor mag die Vermutung naheliegen, dass im Rahmen dieses Romans  nicht nur die „äußeren Abenteuer“ eine gewichtige Rolle spielen, sondern auch die „innere Entwicklung“ vor allem natürlich der Hauptperson, Beachtung finden wird. Und so könnte man diesen breiten und umfangreichen Roman auch lesen als einen großen Kreis der Suche nach sich selbst. Vor allem in jenen Sequenzen, in denen Bernd Jesper mitten in Afrika (neben vielen anderen abenteuerlichen Erlebnissen) auch „dem Tod“ begegnet. Was ja immer den ein oder anderen wichtigen Gedanken freizusetzen versteht, da macht auch Jesper keine Ausnahme in diesem Moment im Buch.

 

Einer, der aus seinem „alten Ich“, seiner Heimat auch ein stückweit geflohen ist, nur zu gerne im buch das Angebot einer Tätigkeit in einer Luxus Lodge in Afrika annimmt. Was überaus verständlich ist bei einem über Nacht quasi obdachlos gewordenen Mann, plötzlich getrennt (herausgeworfen) von seiner Lebensgefährtin (was ihm nicht einfach ankommt und für das ein oder andere emotionale Schlucken sorgt).

 

Bernd Jesper nimmt jene Chance war, die sich unverhofft ergibt, bricht seine (nicht mehr vorhandenen Zelte ab) und geht nach Gabun. Wo nach einem gemächlichen Start sich dann die Ereignisse überschlagen.

 

„Herz der Finsternis“ ist der Roman, den er in Berlin als letztes noch liest. Und jener Roman ist es auch, der diesem Buch eine gewisse innere Struktur noch mitgibt. Denn wie in „Herz der Finsternis“ findet auch Bernd in Afrika mehr als genug Abenteuer (und natürlich in Felicite auch eine schöne Frau, wobei das „Verhältnis“ beider nicht unkompliziert sein wird). Und mehr als genug „weiße Flecken auf dem Globus“ auch seiner eigenen, inneren Landkarte.

 

Ein stinkender Affenschädel unter seinem Bett ist die äußere Initialzündung dann.

„Böser Zauber“, der eine Flucht aus der Lodge nötig macht, der ihn in die Nähe von Diamantenschmugglern bringen wird, in den tiefsten Dschungel, in gefährliche Situationen, in denen er immer wieder auf sich zurückgeworfen, auf sich alleine gestellt sein wird. In den „weißen Flecken“ der Landkarte Afrikas.

 

Eine zunächst freiwillige Suche nach sich selbst und dem neuen Glück, dann eine unfreiwillige Odyssee durch gefährliches Gebiet, die Braun spannend und bildreich zu schildern vermag.

 

Durchaus mit dem Nachgehen der Tiefe der Personen und nicht im ständig sich selbst überholenden Tempo legt Braun einen klassischen, breit erzählten Abenteuerroman vor, der bestens unterhält, sprachlich gelungen ist und zudem zur Reflektion anhält.

 

Denn „weiße Flecken“ gibt es, wie erwähnt, auch auf „inneren Landkarten“ und das Glück ist nicht selten an Orten und in Arten und Weisen zu finden, die man vorher nicht wirklich im Blick hatte. So schließen sich auch bei Bernd Jesper, und teils auch bitter enttäuscht, am Ende so manche Kreise des Lebens, die ihn sichtlich gereift wieder dahin stellen, wo der wirkliche Weg auf ihn wartet. Nach „Erledigung“ aller äußerer Abenteuer und immer noch (allerdings nicht ganz bis zum Schluss) mit dem Schädel des Affen versehen.

 

M.Lehmann-Pape 2013