Galiani 2014
Galiani 2014

Michail Bulgakow – Die verfluchten Eier

 

Ein hintersinniges sprachliches Feuerwerk

 

1925 ist dieser Roman entstanden und erstmalig erschienen. Ein Kurzroman zwischen den gro0en Werken Bulgakows, der gefüllt ist mit einer überzogen, teils satirisch anmutenden Sprache, eine Fantastik (der Roman ist als „Science Fiction“ konzipiert und spielt im Jahre 1928), die voller hintersinniger und symbolischer Bedeutung ist.

 

Was schon allein mit diesen Eiern zu tun hat, die im Buch eine Rolle spielen werden. Nachdem Professor Pfirsichow eher durch Zufall einen „roten Strahl“ entdeckt hat, eine Form der Bündelung künstlichen Lichts, dass ganz erstaunliche Auswirkungen auf Zellen besitzt.

 

Rasende Wachstumsgeschwindigkeit, innerhalb von Tagen sind Frösche ausgewachsen, größer als ihre natürlichen Artgenossen und in gewisser Weise auch aggressiver.

 

Ein Getümmel, ein übereinander herfallen schon unter dem Mikroskop, das einerseits fasziniert und andererseits erschreckt. Wie schnell es geht, dass die Räume des Instituts überbevölkert sind von diesen Reptilien.

 

Dass auf einer ganzen, langen Straße elendiglich in Stunden das ganze Federvieh verreckt, da stellt sich zunächst kein Zusammenhang her, aber da sind all die Ereignisse ja auch noch in der Entwicklungsphase. Moskau wird da schon noch ein bedrängendes Wunder erleben, die Stadt in Aufruhr geraten, das Inferno an die Türe klopfen.

 

„Binnen 24 Stunden wuchsen die Kaulquappen immens an….derart gefräßig und wild, dass deren eine Hälfte sofort von der anderen Hälfte vertilgt wurde“.

 

Ob Bulgakow hier Wissenschaftskritik übt oder eher eine „Entfesselung der Kräfte“ im Menschen selbst symbolisch darstellt, vieles an Interpretationen ist möglich, vieles an Doppeldeutigkeiten im Buch zu finden. Ein Stil  der Wirkung erzielt, keine Frage, der den Leser auf Entdeckungsreise gehen lässt und mehr und mehr die vordergründige, fantastische Geschichte in den Hintergrund treten lässt.

 

Das Wirken „dämonischer Mächte“, immer wieder in die reale Ebene gehoben und das mit Tempo, das ist das Thema dieses Werkes. Gemächliches erzählen ist Bulgakows Sache nicht, ebenso, wie er mit seinem ganz besonderen Stil, seinen Wortspielereien, seiner teils gedrechselt wirkenden, fast poetischen Prosa für innere Beteiligung des Lesers sorgt.

 

Der einem drohenden Untergang der Welt ebenso im  Buch begegnet, wie dem Teufel und der Hölle. In Teils stichwortartig gehetzter Sprache, in vielen dahingeworfenen, rasanten Dialogen, in einer ganz eigenen Rhythmik des Ausdrucks, mit der Bulgakow spielerischen Umgang pflegt.

 

Ein Stil, dem sich der Übersetzer verpflichtet hat und der von Alexander Nitzberg intensiv erlebbar umgesetzt wird.

 

 

Eine intensive Lektüre, nicht nur aufgrund ihrer Entstehungszeit, sondern auch aufgrund ihrer stilistischen Mittel und ihrer vielfachen Symbolik mit ganz eigener Kraft, die gewohnten Lesegewohnheiten vielfach durchbrechend und ein sehr empfehlenswertes Erlebnis. Im Nachwort versehen mit (auch notwendiger) guten Interpretationshilfen.

 

M.Lehmann-Pape 2014