Goldmann 2014
Goldmann 2014

Mitch Albom - Das Wunder von Coldwater        

 

"Das Ende ist nicht das Ende"

 

Tess hat, wie jede Tochter, zu Lebzeiten ihrer Mutter nicht diese immer und überall in Harmonie mit dieser verbracht.

 

Die fromme und in ihrer Gemeinde eifrig engagierte Kathrin vermisst ihre verstorbene Schwester sehr.

"Wenn man einmal eine Schwester hat, dann hat man sie für immer". Auch über den Tod hinaus, zumindest innerlich.

 

Jack, der Polizeichef, ist nicht nur geschieden von seiner ehemaligen Frau Debbie, sondern muss auch verwinden, dass sein Sohn im Einsatz gefallen ist. Ein Einsatz, dem er nicht widersprochen hatte, der vielleicht auf seine Kappe geht.

 

Nicht nur diese drei Personen, noch andere, scheinen eine zweite Chance zu erhalten. zumindest die Chance auf inneren Frieden mit dem Tod.

 

Denn plötzlich, Freitags, klingeln Telefone bei insgesamt acht Menschen im kleinen Ort Coldwater in Michigan. Und am anderen Ende der Leitung sind die Stimmen der Verstorbenen zu hören.

Das alles nun gut sei. Dass das Ende nicht das Ende ist. Dass der Himmel wartet. Anrufe "aus dem Himmel", das man sich keine Sorgen zu machen braucht und diese Botschaft so viel Menschen wie möglich weiter geben soll.

 

Was in modernen Zeiten kein Problem ist.

 

Das Fernsehen rückt an, erst nur in Person der Reporterin Amy, dann mit immer mehr Übertragungswagen. Die katholische Kirche mischt sich ein. Wobei da nur wichtig scheint, dass als allererste eine Katholikin angerufen wurde. Schare von "Pilgern" fallen Tage für Tag zunehmend in die kleine Stadt ein.

 

Denn die Anrufe sind nicht einmalig. Jeden Freitag klingeln die Telefone.

 

Nur nicht bei Jules. Dessen Mutter bei einem schrecklichen Unfall starb. Dessen Vater Sully im Gefängnis war.. Sully, der nun in die kleine Stadt zurückkehrt, der Frieden sucht, seine Trauer verarbeiten will, mit seinem Sohn die Zukunft angehen möchte.

 

Sein Sohn Jules, der ein paar Tage später mit einem Spielzeughandy nach Hause kommt und dies nicht mehr loslassen will. Bis seine Mutter "aus dem Himmel" anruft.

 

Doch Sully ist misstrauisch und hat einen vagen Verdacht, der ihn mehr und mehr recherchieren lässt nach dem Hintergrund dieser Anrufe.

 

Mit vielfachen und raschen Perspektivwechseln und einer zunächst schwierig zu überschauenden Zahl an handelnden Personen erzählt Allbom diese "Wundergeschichte" mit Tempo und in flüssiger Sprache . Wobei das eigentliche das Thema, das Albom im Hintergrund mitschwingen lässt, das der Kommunikation zwischen Menschen ist, missglückte Momente im Leben, die mit dem Tod scheinbar für immer als Schuld verbleiben.

 

Aber nicht, wenn man andere Möglichkeiten der "Fernleitungen" nutzt. Vielleicht passieren dann wirkliche Wunder? Selbst dem skeptischen Scully am Ende der Geschichte?

 

Ein wenig zu sehr drückt Albom dabei in Teilen allerdings auf das Tempo, hier und da wäre man bei manchen Situationen und Personen gerne länger verweilt, eine gewisse Oberflächlichkeit an manchen Stellen im Buch verbleibt leider im Raum.

Im Stil erinnert der Roman fast eher noch an ein Drehbuch in kurzer Schnittfolge. So fühlen sich manche auch wichtigen Gedanken zu abgeschnitten, zu wenig wirklich gewürdigt an, was hier und da schade ist.

 

Dennoch gelingt Albom eine insgesamt lebendige Darstellung eines (vermeintlich?) modernen Wunders mit all dem, was das in der modernen Welt nach sich zieht, verpackt in eine kurzweilige Geschichte und mit dem Blick auf das an Kommunikation und innerer Haltung, was wirklich innerlich befriedet und versöhnt im Blick auf die eigene Trauer.

 

 

M.Lehmann-Pape 2014