Droemer 2015
Droemer 2015

Nathan Filer – Nachruf auf den Mond

 

„Rückweg“ ins Leben

 

Das Nathan Filer einen Teil seines beruflichen Lebens als Krankenpfleger in einer psychiatrischen Anstalt verbracht hat, merkt man diesem Roman deutlich (und in guter Weise) an.

 

Denn einen solchen Patienten hat er zur Hauptperson seines Werkes gesetzt und dessen inneren Entwicklung von einem einschneidenden Erlebnis seines Lebens hin bis zu seiner langsamen „Rückkehr“ in dieses Leben bildet den roten Faden dieses Entwicklungsromans „der anderen Art“.

 

Der „Mond“, das ist sein zwei Jahre älterer Bruder Simon, der unter, für den Leser lange leicht „verwaschenen“ Umständen, bei einem Urlaub vor gut einem Jahrzehnt gestorben ist.

 

Was genau geschehen ist, inwieweit Matthew an diesem Geschehen beteiligt war, was es mit dem kleinen Mädchen auf sich hat, das am Rande des Campingplatzes damals ein Begräbnis vollzieht, all das wird sich erst langsam und auf Umwegen im Lauf der Zeit einigermaßen klären. Denn aus den Augen Matthews und damit aus einer „getrübten Sicht“ zum einen heraus und einer sehr subjektiven Wahrnehmung zum anderen heraus lässt Filer in Ruhe die Ereignisse greifbar werden und die Vergangenheit ebenso auferstehen, wie er in der Gegenwart des Romans den Patienten Matthew in seinem inneren Erleben, in seinen Therapiestunden, in seinen langsamen Versuchen „da draußen in der Welt“ wieder Fuß zu fassen begleitet.

 

Was zudem sich nicht nur in einem tieferen Verstehen äußerer Ereignisse erschöpft, sondern vor allem das enge Beziehungsgeflecht zwischen Matthew und seiner Familie, zwischen ihm und seinem Umfeld immer wieder aufgreift und in seiner bedeutenden Rolle für all die Ereignisse um den Tod Simons und in den darauffolgenden Jahren darlegt.

 

Wobei die eigentliche Spannung und Faszination des Romans aus dem inneren Erleben Matthews heraus entspringt, das Filer feinfühlig und in Teilen auch spannend, immer aber emotional nah in den Raum der Seiten setzt.

 

„Es ist lange her. Ich habe zugesehen, wie du deine Puppe vergraben hast. Ich habe die Beerdigung gesehen. Und dann….und dann….und dann….“.

 

Eine Puppe, die besondere Bedeutung noch erhalten wird.

 

Innerlich erschüttert versucht Matthew auf vielen Wegen, auch, indem er sein Erleben aufschreibt, die Dinge in sich zu ordnen und zu durchblicken, was wirklich passiert ist.

 

Eine sprachlich gelungene und inhaltlich intensive Lektüre, die rundweg zu empfehlen ist.


M.Lehmann-Pape 2015