Heyne 2015
Heyne 2015

Robert Harris – Dictator

 

Hervorragend

 

Wie bereits die beiden vorhergehenden Bände der Trilogie über das Leben Ciceros (und zugleich ein Portrait der Zeit Ciceros), bietet auch dieser abschließende Band ein durchgehendes Lesevergnügen.

 

Informativ, in Form eines biographischen Romans aus der Perspektive des Sekretärs (zunächst als Sklave, danach als freier Mann in Diensten Ciceros) Tiro, geht Robert Harris dabei nicht nur den äußeren Lebensdaten und wichtigen Ereignissen im Leben Ciceros nach, sondern bietet ein umfassendes Portrait „von Innen“ aus den Zirkeln der Macht, aus Intrigen, Absprachen, Verfolgungen, Verbannungen, jubelnde Rückkehr und Opferungen auf dem Altar der Macht.

 

Sei es ein Pompeijus Magnus, eigentlich doch wichtigster (und beliebtester) Mann, Heerführer mit „zwei Triumphen“, der ohne jede Gefühlsregung von Julius Caesar durch die Lande bis nach Ägypten „weggekämpft“, verfolgt wird mitsamt seinem erbärmlichen Tod.

 

Sei es Caeser selbst (interessant, wie Harris jene letzte Szene im Senat bildreich aufgreift, spannend erzählt, dabei vollkommene Ruhe bewahrt und zudem die Rolle des Brutus noch anders deutet (mitsamt der vermeintlich berühmten letzten Worte Caesars).

 

Bis hin zu Cicero, dem gewaltigen Redner, hervorragenden Anwalt, hier und da zur Melancholie neigenden Mann, sich trennendem Ehemann, auch mitsamt seiner vorhandenen persönlichen Eitelkeit, aber auch seiner durch nichts begrenzten Größe des Denkens, absoluter Haltung für die Republik und Demokratie und, am Ende, mutigen und aufrechten Tod.

 

Wobei nicht zuletzt Gaius Julius Caesar Octavian sein „früheres“ Gesicht zeigt, bevor er als Kaiser Augustus seine entscheidende Wandlung zum Friedensherrscher erlebte.

 

Gefährlich ist es, wenn ein Julius Caesar oder ein Octavian „einen liebt“, denn positive Gefühle sind es wahrlich nicht, die das Handeln der mächtigen Männer und aufstrebenden Potentaten auch nur im Geringsten beeinflussen würden (negative wie Rache und erbitterte Feindschaft allerdings schon, in gewissen Grenzen zumindest).

 

Sachkundig und sprachlich wunderbar flüssig stellt Harris das auf und ab der letzten Lebensjahrzehnte Ciceros dar, bietet einen Blick in das Innere einer Republik am Scheideweg zwischen Demokratie und Diktatur, zwischen der Auflösung Verhaftung in der Religion der alten Götter und eines dadurch in den Raum tretenden religiösen Vakuums. Eine Zeit, „da stand der Mensch allein“. Und Harris gelingt es, diese besondere Atmosphäre, diesen Wandel der Zeiten und des Denkens, diese Aushöhlung der Kontrolle und die offenkundig werdende, nackte Gier der Mächtigen hervorragend auch emotional in Romanform zu bannen.

 

Ebenso, wie die Unmöglichkeit für einen Cicero, trotz mehrerer Gelegenheiten und Resignationen, das eigene Leben „privat“ zu genießen. Immer wieder lässt sich Cicero in „den Staat“, die „Politik“ einbinden.

 

„So, wie es die Bestimmung des Steuermanns ist, für eine reibungslose Fahrt des Schiffes zu sorgen……, so muss das Ziel des Staatsmannes das Wohlergehen seines Landes sein“.

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.


M.Lehmann-Pape 2015