Droemer-Knaur 2017
Droemer-Knaur 2017

Sabine Ebert – Schwert und Krone

 

Fundiert und sehr unterhaltsam

 

„Ist das Fleisch abgekocht, werden die Gebeine mit den üblichen Ingredienzien balsamiert und in der naturgegebenen Anordnung aneinander befestigt“.

 

Was kein Kochrezept für eine ausgeklügeltes „Fürstenessen“ am „Königstisch“ beschreibt, sondern die rein praktische Aufgabe löst, den Leichnam des toten Kaisers Lothar von Süpplingenburg von diesem winterlichen Brenner zu dem Ort zu bringen, an dem der Kaiser bestattet werden wollte. Noch weit entfernt und nicht in einem Zeitrahmen zu erreichen, der der Verwesung entsprechen würde.

 

Nicht nur in dieser recht drastischen Schilderung zu Beginn des Romans, auch im ausführlichen Personenregister (über 4 Seiten hinweg“ so wie im nicht überbordenden, dennoch beachtlichen Anhang von Stammtafeln und Glossar wird schnell erkennbar, dass Sabine Ebert sich intensiv mit den Geschehnissen des 12. Bis 13. Jahrhunderts n.V. auseinandergesetzt hat mit all den Nachfolgeauseinandersetzungen, Intrigen, Machtspielen, mit dem Geschlecht der Staufer, bei denen zunächst Konrad nach dem Tod des Kaisers Lothar an die Macht gelangt, aber auch Friedrich Barbarossa schon mit von der Partie ist.

 

Ein Auftakt für eine Romanfolge, bei dem Ebert zu Gute kommt, dass sie griffig und prägnant formuliert, trotz der vielfachen Perspektivwechsel zwischen den beteiligten Parteien und Personen zum einen den roten Faden (auch für den Leser) nie aus den Augen verliert und zum anderen ihren realen und fiktiven Personen differenziertes Leben mit auf den Weg gibt.

 

Natürlich finden sich im Ansatz auch stereotype Eigenschaften. Wenn Konrad aus „edlen Motiven“ sich prüfend die Frage stellt, ob er als neuer König die richtige Wahl wäre und ob alle Mittel dafür auch tragbar sind.

 

Da sein Bruder nicht mehr „unversehrt“ ist (eine der Voraussetzungen für die Wahl zum Kaiser und wieder ein informatives, interessantes Detail, dass Ebert einarbeitet), wäre Konrad der legitime mögliche neue König, auch wenn der gerade verstorbene Lothar seinen Schweigersohn, Heinrich den Stolzen, zum Nachfolger bestimmt hat. Aber nicht „Bestimmung“, sondern „Wahl“ kürt den Anführer der deutschen Fürsten und Herrscher.

 

„Blickt der Tatsache ins Auge, dass noch niemand im Stand Stande reinster Unschuld dorthin gelangt ist…….Wer herrschen will, der muss es auch wirklich wollen – und zwar wollen um jeden Preis“.

 

Damit sind schon im ersten Teil des Werkes alle Zutaten gesetzt für eine authentische Atmosphäre des Romans, für vielfache Ränke und Intrigen, offene und verdeckte Konkurrenzen, ein hin- und herwogen, in dem der größte Teil der Beteiligten alleine eigenen Interessen folgt, ein kleinerer Teil das große Ganze sieht und das Wohl des Reiches mit im Blick hat und alle einander mit herzlichem Misstrauen begegnen werden.

 

Was Ebert lebendig, interessant, durchaus spannend und mit „viel Fleisch am Gebein“ (anders als der verstorbene Lothar seine letzte Reise antreten wird) erzählt.

 

 

Ein ganz hervorragender, historischer Roman, der Lust auf die nachfolgenden Werke macht und einen echten Pageturner darstellt, in dem Ebert den Leser mitten hinein nimmt in die harte, dunkle Zeit des Mittelalters, in der aber durchaus auch Liebe und wahrhaftige Motive nicht völlig an den Rand gedrängt werden.

 

M.Lehmann-Pape 2017