S.Fischer 2014
S.Fischer 2014

Sabine Weigand – Das Buch der Königin

 

Historische Fakten in flüssigem Romangewand

 

Es ist seit Langem eine Spezialität von Sabine Weigand, historische Fakten fundiert zu recherchieren und diese dann in Romanform anregend und unterhaltsam dem Leser mit zu vermitteln.

 

In Ihrem neuen Werk hat sich Weigand einer wichtigen Frauenfigur der Geschichte angenommen. Konstanze, Erbin des Königreiches von Sizilien Ende des 12. Jahrhunderts und, plötzlich und unversehens, eine wichtige Gestalt auch für die Mächte du Ränkeschmiede jener Zeit.

 

Wobei Weigand nicht nur diese bewegenden politischen Jahre in den Blick nimmt, in dem Konstanze Ehefrau Heinrich VI. aus dessen kühlen Machtstreben heraus sein wird, sondern die Lebensgeschichte dieser klugen und kraftvollen Frau von Beginn an erzählt.

 

„Meine ersten Erinnerungen sind umweht vom Duft der Mandelblüten“.

 

Eine Geburt, ein Aufwachsen, das zu einem „Verwachsen“ mit der Heimat Sizilien führt. Eine Verbundenheit auch mit dem Volk Siziliens, die es nur natürlich erscheinen lässt, als rechtmäßige Thronerbin das Land auch zu regieren. Alleine, so stellt Konstanze sich das vor.

 

Was in keiner Form zunächst den Plänen Friederich Barbarossas entspricht, der Sizilien in seinem Einflussbereich zu halten gedenkt und für eine Heirat zwischen Konstanze und seinem Sohn Heinrich sorgt.

 

Und doch legt Konstanze ihre Eigenständigkeit und ihren eigenen Anspruch nicht ab.

 

Was in immer stärker werdende Konflikte mit ihrem Gemahl, dem König führt, aber auch bei anderen Interessensgruppen, nicht zuletzt beim Papst in Rom auf Widerstand stößt. Zudem bleibt die energische Frau den Thronerben lange schuldig und verliert auch von dieser Seite an festem Stand und Ansehen, zumindest bei ihrem Gemahl.

 

„Die Kaiserin weiß: Das ist eine Brüskierung. Aber sie muss gleich zu Anfang klarstellen, dass sie über das Land herrscht und niemand sonst. Und das sie keine ausschließlich staufische Herrschaft anstrebt. Sie darf Heinrich nicht verprellen

 

Intrigen, Ränke, offene Aggression, das Leben Konstanzes ergibt schon von den historischen Fakten her eine spannende Episode der Geschichte und wird von Sabine Weigand emotional dicht mittels verschiedener Erzählfäden in bester Weise dem Leser nachvollziehbar geschildert. So entsteht ein lebhafter, greifbarer Eindruck von den vielfachen Verflechtungen unter den Herrschern (und Möchtegernherrschern) der damaligen Zeit, die Weigand historisch fundiert in das Auf und Ab des Romans einfließen lässt.

 

 

Ein sehr unterhaltsamer, sachlich fundiert recherchierter und in der Form überzeugender historischer Roman.

 

M.Lehmann-Pape 2014