Manhatten 2013
Manhatten 2013

Sam Leith – Die Zufallsmaschine

 

Was es nicht alles gibt....

 

..... und dann doch passiert. Könnte man sagen.

 

Wenn ein Flugzeug sich aus einem Hurrikan heraus materialisiert, ein Mann in Pilotenuniform „einfach so“ im Krankenhaus auftaucht, die Maschine nirgends registriert ist, der Mann aber eigentlich ein Stripper ist, der auf dem Weg zu einem Auftritt war.

 

Oder in genau dem richtigen Moment ein Snookertisch vom Himmel fällt. Und einen Augenblick weiter, wieder genau im rechten Moment, die Snookerkugeln hinterher fallen. Und einen harmlosen, verliebten Mann kurzeitig retten. Vor der äußeren Bedrohung,  aber nicht vor seinen Charakterschwächen.

 

Oder wenn zwei Männer dringend einen anderen Mann suchen, ohne Orientierung nur mit ihren Ipod´s bewaffnet durch Amerika fahren, wo doch ein Blick in das Nachbarzimmer des Motels reichen würde.

 

Das kann der Chefin von „DIE“, Red Queen, schon leicht den Schlaf rauben. Sie, die mit ihrer geheimen Institution alles an „Unwahrscheinlichkeiten“ weltweit versucht, im Blick zu haben, die mit Medien und Schamanen arbeitet, das gesamte Internet überwacht, jede Unregelmäßigkeit in Casinos beobachtet und jenem jungen Mann, der verliebt durch Amerika fährt, Alex Smart, auf der Spur ist. Denn es könnte sein, das Alex die „Zufallsmaschine“ bei sich trägt, entwickelt von einem sehr merkwürdig und exotisch geworden ist und für eine Waffenschmiede arbeiten soll, die Firma MIC. Was man nur vermuten kann, aber das reicht schon aus, den Apparat in Bewegung zu setzen.

 

„Soviel wir wissen, beeinflusst die Maschine die Wahrscheinlichkeit. Wie ein Magnet, der Eisenspäne anzieht. Folglich müsste der Effekt stärker werden, je näher man ihr kommt“.

 

Also gilt es, für das MIC, das DIE und andere Interessengruppen, die „unwahrscheinlichen Zufälle“ entlang der Route des Alex Smart im Blick zu halten, um den Mann zu fassen. Wenn das nicht ständig gebremst werden würde von „unwahrscheinlichen Zufällen“. Und Alex nicht ganz anderes im Sinn hätte, vor allem gar nicht ahnt, was er da bei sich führt (falls er es bei sich führt).

 

In der Atmosphäre gelingt es Sam Leith, die kreativ verdrehten Romane  eines Douglas Adams wieder aufleben zu lassen. Mit trockener, britischer Ironie und ständigen Wendungen und Drehungen in der Geschichte führt er viele verschiedene Fäden ganz langsam, aber sicher zusammen. Töchter zu Müttern, harte Typen zu dicken Frauen, alte Mathematiker zu jungen Bewunderinnen, Briefe in Romanformat zu einem Gegenstand eines Antiquitätenladens und vieles mehr. Dabei erinnert sein Stil weniger an „Per Anhalter durch die Galaxis“ (auch wenn dort der „Unwahrscheinlicheitsdrive“ eine gewisse Rolle gespielt hat), sondern eher an „Der lange, dunkle Fünfuhrtee der Seele“.

 

Vielfache Fäden, die unverbunden im Buch zu stehen scheinen erhalten einen gemeinsamen Sinn und ein gemeinsames Zentrum. Später. Während auf dem Weg zur Entwirrung der Fäden für den Leser eine intensive Atmosphäre und gute Unterhaltung den Weg säumt.

 

In Verbindung mit den ganz besonderen, sehr individuell vorliegenden Charakteren, die ihre ganz eigene Geschichte, ihre ganz eigenen Motive und ihre ganz eigenen Verbindungen untereinander besitzen, legt Leith ein intelligentes, sehr unterhaltsames und im Stil ganz eigenes Buch vor, welches tatsächlich wie eine „frische Brise in der Literatur“ daherkommt.

 

Im Gesamten eine sehr anregende Lektüre in einem ganz besonderen mit einer ausgearbeiteten, in sich stimmigen Linie und vielfachen, eigenen, durchdachten und treffenden, frischen Ideen.

 

M.Lehmann-Pape 2013