Bastei Lübbe 2010
Bastei Lübbe 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sebastian Fleming ist, genau wie Nicholas Lessing, eines der Pseudonyme,
unter denen der Autor Klaus-Rüdiger Mai seine Romane auf den Markt bringt.
Er stammt aus Sachsen-Anhalt, studierte in Halle Germanistik, Geschichte und
Philosophie. Er ging zum Theater und schaffte es unter dem als Kommissar
Ehrlicher bekannten Peter Sodann zum Dramaturgen. Seine Veröffentlichungen
reichen von Sachbüchern, wie etwa der Biografie von Michail Gorbatschow oder
auch der von Papst Benedikt XVI. – beide aus dem Jahr 2005 auch zu
historischen Romanen. Diese erscheinen als Abgrenzung zu seinen Sachbüchern
unter einem der beiden Pseudonyme. 2009 kam sein erster diesbezüglicher
Roman, der sich mit der Varusschlacht am Teutoburger Wald neun Jahre nach
Beginn der christlichen Zeitrechnung beschäftigt, auf den Markt. Doch Mai
ist nicht nur der Buchwelt ein Begriff. Er war als Autor und Produzent beim
Fernsehen tätig. Von ihm stammt etwa die Idee der Kindersen dung Schloss
Einstein oder er machte beispielsweise auch eine 3teilige Dokumentation über
die Zeit der Inquisition. 2005 kehrte er dem Fernsehen jedoch den Rücken und
wandte sich ganz dem Schreiben zu. Der Autor verbindet dabei Dichtung und
Wahrheit, flicht gut recherchierte Ergebnisse in seine Sachbücher und Romane
ein.

Das Cover von Die Kuppel des Himmels gibt den ersten, recht genauen Hinweis,
worum es im Buch geht. Es zeigt die Kuppel des Petersdoms und ein paar
auffliegende Vögel, die genau wie der Name des Autors und der Titel des
Buches glänzend und leicht erhaben gedruckt sind.

Fleming macht es einem anfangs etwas schwer, ihn ins Rom der Renaissance zu
begleiten. Er lässt den Leser bereits in den ersten Kapiteln unzählige
Figuren begegnen, ja führt quasi fast kaleidoskopartig ein. Alle sind an dem
beteiligt, was seinen Lauf nimmt, weil der alte Petersdom zusehends verfällt
und einer der damaligen Päpste, Julius II., den Auftrag für eine neue
Basilika erteilt, in der er seine letzte Ruhe finden will. Diese Basilika
soll gewaltiger werden, als alles, was jemals im Abendland erbaut wurde.
Nicht nur, dass es im Rom des Abendländischen Schismas mit seiner geteilten
Kirche und mehreren gewählten luxus- wie herrschsüchtigen Päpsten Gegner
gibt, die den Bau um jeden Preis verhindern wollen. Der von Julius II.
beauftragte Baumeister Bramante hat auch einen handwerklichen Konkurrenten,
der ihm gefährlich werden kann: Michelangelo. Er ist jünger als Bramante und
eigentlich nur Bildhauer, trotzdem fällt es schwer, ihn zu übersehen oder es
wäre fa tal, ihn zu unterschätzen. Sein Entwurf hat eine Kuppel, so weit wie
der Himmel – womit der Buchtitel einen weiteren Hinweis liefert.

Wie gesagt, der Anfang ist etwas schwer, zieht sich und verwirrt. Doch wer
durchhält, wird durchaus belohnt, denn die Geschichte gewinnt mit
zunehmendem Verlauf. Der Autor versucht nicht zwingend, den über ein
Jahrhundert währenden Dombau in seiner Geschichte in den Vordergrund zu
stellen. Doch auch wenn die Geschehnisse um und mit Julius II., Bramante und
Michelangelo den Großteil der Geschichte ausmachen (die es als Hauptakteure
zu den vielen Nebenfiguren gibt, welche zusätzlich auf Nebenschauplätzen in
Nebenhandlungen agieren) - sie sind nur Träger und Vermittler des roten
Fadens zum eigentlichen Hauptcharakter: Der omnipräsenten Kuppel des neuen
Petersdoms. Dies wird schon durch die in der Geschichte enthaltenen
Zeitsprünge klar. Die Figuren hauchen dem an sich nicht lebendigen Bau nur
so etwas wie Leben ein.

Das Handeln der trotz ihrer Vielfalt relativ klar gearbeiteten Figuren
zeichnet ein gut nachvollziehbares Bild der damaligen Zeit. Intrigen,
politischen Verwirr- und Ränkespiele, die Plünderung Roms, schemenhaften
Geheimbünde, die Beschreibung des Handwerks und der mit dem Bau verbundenen
Schwierigkeiten – alles trägt zu der atmosphärischen Dichte bei, die Fleming
in seinem Roman webt. Die Seiten sind gefüllt mit vielen kleinen
Handlungssträngen, die von ihm zu einem großen geflochten werden.

Fazit

Nicht ganz flüssig zu lesen, obwohl der Autor durchaus eine flüssige Sprache
wählt. Kein Buch zur reinen Entspannung, da es viele Charaktere und
Nebenschauplätze darin gibt. Wer sich für Geschichte interessiert, wird hier
gut bedient, zumal Fleming die eine oder andere eher unbekannte Begebenheit
wiedergibt. Alles in allem ein spannendes Buch, wenn man durchhält, für das
ich vier von fünf Punkten vergeben möchte.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)