Piper 2014
Piper 2014

Tilman Röhrig – Die Könige von Köln

 

Aus Liebe zur Stadt

 

„Worum geht es? So sprecht doch!“.

„Unsere drei Heiligen. Die Könige……..“

 

Um diesen „Schatz der Schätze“ der Stadt Kölns und ihres Kölner Doms sorgen sich die Beteiligten im Herbst 1994 zu Recht. Nach der französischen Revolution und unerwarteten, ersten militärischen Erfolgen bewegt sich das französische Militär auf den Rhein und damit auf die Stadt Köln zu. Unbedingt viel entgegen zu setzen gibt es militärisch nicht.

 

Klare Gründe für den gelehrten Sohn der Stadt, Franz Wallraf, die Heiligtümer Kölns in Sicherheit zu bringen, allen voran den goldenen Schrein der hl. drei Könige.

 

Das seine Wahl für den Verantwortlichen des Schutzes der Gebeine auf Arnold Klüsch fällt, einen Tagelöhner, das mag nur auf den ersten Blick den ein oder anderen Außenstehenden verwundern. Einen stärkeren und, vor allem, seiner Stadt in Liebe ergebenen Mann wird man anderswo wohl vergeblich suchen.

 

Wallraf und sein Gehilfe trennen Schrien und Gebeine, es gelingt, diese zunächst je für sich in Sicherheit zu bringen.

 

Gut, dass Klüsch sich dabei ganz auf die Sache zu konzentrieren vermag, denn andererseits ist er privat durchaus nicht wirklich gefestigt, zur Zeit. Verliebt in Walburga, das ist er. Und lieber heimlich, denn trotz seiner Bärenkräfte und seiner imposanten Erscheinung, was Walburga angeht wird der Reise Klüsch zum inneren, leicht stammelnden Zwerg.

Probleme, die seinem Freund Norbert völlig fremd sind, der sich seinerseits mit Inbrunst in das Werben um die schöne Walburga stürzt.

 

Während er ebenso trickreich die Wirren der Zeit nutzt, um immer und immer wieder seinen eigenen Vorteil zu sichern.

 

Bunt und schillernd, bildkräftig, von Röhrig gewohnt, lässt der Autor die Zeit der französischen Besetzung Köln Ende des 18. Jahrhunderts vor den Augen der Leser auferstehen. Geschickt verknüpft er die Motive von Spannung und Verschwörung (die Rettung der Gebeine) mit realer Geschichte (die Besatzung Kölns mit ihren drückenden Folgen für die Bewohner der Stadt) und mit, natürlich, einer lebendigen und unterhaltsamen Liebesgeschichte, die durchaus ihre Höhen und Tiefen besitzt.

 

Röhrigs profundes Wissen um die Zeit und ihre Atmosphäre und sein Gespür für Tempo und nahekommend gezeichneten Figuren sorgen, wieder einmal, für einen überaus lebendig wirkenden historischen Roman, der nicht nur für die Bewohner Kölns und seines Umlandes für Interesse sorgen wird. Wozu nicht zuletzt das Einweben vieler historischer Figuren durch Röhrig seinen Teil beiträgt.

 

Wie im Namen von „Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit“ vor allem erst einmal „gehaust“ wird, wie alles an Kunst und Kultur von Wert, dass nicht niet- und nagelfest ist „requiriert“ wird und wie jeder einzelne zunächst genug damit zu tun hat, selber unbeschadet durch dieses Chaos sich durch zu lavieren, das liest sich sehr rege im Buch und nimmt den Leser schnell mit auf die emotionale Reise in die Welt des Romans hinein. Mitsamt den Folgen von Korruption, Misstrauen, Hehlerei, Erpressung und Verrat, die wohl immer dazu gehören und dazu gehören werden, wenn der äußere Rahmen einer Gesellschaft in Frage gestellt wird.

 

 

Ein sehr gelungener und sehr lesenswerter, lebendiger historischer Roman, in dem Röhrig fundiert Faktenwissen mit einer lebendigen Romanhandlung verbindet.

 

M.Lehmann-Pape 2014