S. Fischer 2012
S. Fischer 2012

Tommy Jaud – Der Übermann

 

Simon Peters in schwerem Fahrwasser

 

„Das war nicht exakt das, was ich hören wollte. „Aber ich bin doch euer Simon! Der Spaßpräsident! Allein im letzten Jahr habe ich fünf Spaßtage organisiert für Euch!““

 

Aber das reicht bei weitem nicht in den Augen des Umfeldes von Simon Peters, der fast (aber nur ganz fast) tragischen Figur, den Tommy Jaud nun zum dritten Mal „auf das Leben loslässt“.  Denn, das haben die ehemals durchaus Freunde einfach satt, die Späße des Simon allein „mit Sachen, die vor allem Dir Spaß gemacht haben und die exakt dann zu Ende waren, als Du keinen Spaß mehr hattest“.

 

Und noch ist lange nicht Schluss damit, was aber all die Personen um Simon herum noch nicht ahnen. Er wird sie retten, jawohl, vor dem Weltuntergang am 21.12.2012. In einem bunkerähnlichem Weinkeller. Und sei es auch gegen ihren Willen.

Aber auch diese Aktion entstammt nicht reiner Menschenliebe des Mannes mit exakt drei Freunden auf Facebook (und auch das nur zu Anfang der Geschichte).

 

Während nämlich alle, auch Simons Freundin Annabella, davon ausgehen, dass dieser noch über seine erklecklichen Rücklagen verfügt, hat just ein griechischer Finanzberater das Geld Simons durchgebracht. Und das Finanzamt meldet sich ob der anstehenden Steuer. Nur wenige Tage verbleiben Simon, aus irgendeinem äußerst kruden Einfall (mal Jamie Oliver verklagen) sein Konto wieder aufzufüllen. Auch, um Annabella all dies nicht eingestehen zu müssen. Die gerade ihren Job gekündigt hat und sich dem Studium der Weinwirtschaft zuwenden möchte. Auf einer privaten Universität. Fest davon ausgehend, dass Simon sie finanziell stark unterstützen will (und kann). So sind die Rahmungen gesetzt, innerhalb derer Simon Peters in Spur nun gehen wird.

 

Überzogen, ironisch, mit ausufernder Fantasie nimmt Jaud auch dieses Mal den Leser mit auf einen Parforce-Ritt durch das Leben. Spätestens nach der REWE-Einkaufstour Simons mit  (seinem wiederum eher Ex-Freund) Phil, von dem er sich nur ein wenig Kleingeld leihen will und diesen deswegen in der Reha besucht, bei der sich Phil im Rollstuhl von kleinen Vorkommnissen mit Simon erholt, wird deutlich, dass Jaud der große Angriff auf die Lachmuskulatur durchaus über weite Strecken des Buches weiterhin gelingt.

Oft fast surreal wirkend und doch nur eine denkbare Realität breit überziehend, zudem im Hintergrund durchaus in der Charakterisierung Simons die allgemein zunehmende Unfähigkeit zur Empathie und zum Sozialen an sich mitschwingen lassend, gelingt es Jaud, den Leser sich an den überzogenen Figuren und den hanebüchenen Aktionen zu ergötzen.

 

Bedauerlich ist nur, dass das Ende der Geschichte sehr verkürzt wirkt und sich nicht unbedingt schlüssig aus dem Vorhergehenden ergibt. Ebenso muss angemerkt werden, dass nicht jeder Witz zündet und nicht jede Idee sich harmonisch in das Ganz einfügt (die Sache mit Jamie Oliver wirkt doch wie abgeschnitten dann im Buch)

 

Wie auch schon in den Vorgängerbüchern bietet Tommy Jaud von Ironie bis brüllender Komik eine ganze Palette (nicht immer in gleicher Weise) unterhaltsamer Comedy und bester Situationskomik im Buch, die weitgehend bestens unterhält.

 

M. Lehmann-Pape 2012