Ulrike Herwig – Oskar an Bord

 

Luftige Komödie nach bekanntem Muster

 

Eigentlich hat man sich auseinandergelebt, wenn man ehrlich ist.

Zumindest das Generve aneinander überwiegt die ehemals stark romantischen Gefühle, die Tina zu Markus hingezogen haben.

 

Was damals als Spontaneität, sonniges Gemüt und Lebensfreude reizvoll wirkten, hat sich im Alltag verschlissen als nun mittelaltes Ehepaar mit pubertierendem Sohn und einigen Geldsorgen. Spontaneität und Verbindlichkeit im Job passenden eben nicht sonderlich gut zusammen.

 

Dennoch verwundert es natürlich Tina (und den Leser), dass sie ihren Ehemann an einer Tankstelle in der Nähe ihrer Arbeit trifft. Mit einer Waffe in der Hand und gerade dabei, die Kasse auszurauben. Vor den laufenden Sicherheitskameras natürlich, aufgeschreckt von der eigenen Ehefrau, als Fluchtwagen wird kurzerhand ein Krankentransporter genommen, der zum Tanken angehalten hatte.

 

Es dauert nicht lange, und die Situation wird ein wenig unhaltbar. Tina erfährt vom finanziellen GAU der Familie, die Polizei braucht nicht lange, um die Fahndung auf den Weg zu bringen und der 87jährige Fahrgast im hinteren Teil des Krankentransportes, Oskar Krauß („mit esszet“) schockiert zudem noch auf seine ganz eigene Weise und alleine schon durch seine Anwesenheit.

 

Der Weg zurück verbaut, da wartet die Polizei. Und wohin? (Wer „Knocking on Heavens door“ gesehen hat, ahnt es). Der alte Mann möchte noch einmal das Meer sehen. Und die beiden verhinderten Kriminellen haben an sich nichts anders im Sinn, als weg zu kommen.

 

So beginnt eine, sprachlich sehr einfach gehaltene, mit dennoch vielfacher überzeugender Situationskomik geschmückte, Odyssee vom Süden der Republik zum Norden hin. Eine Fahrt, auf der sich jener Oskar Scheibe für Scheibe als einer herausstellen wird, der nicht immer alt war, der von damals noch etwas bewahrt hat. Einen Schatz, mag sein, auf jeden Fall ein interessantes Leben mit immer noch interessanten Kontakten (wie Tin in jenem gemütlichen, intimen Bordell in Nürnberg bereits feststellen kann).

 

Aber, wo genau führt die Reise dann hin? Was sind die Optionen der beiden Flüchtigen, die zudem ihren Sohn irgendwie kontaktieren müssen? Die zumindest Tag für Tag ein (kleines) Stück mehr wieder die Qualitäten des andren entdecken, die damals zur Ehe geführt haben. Aber ansonsten eine ganze Reihe von Fettnäpfen nicht gewillt sind, auszulassen.

 

 

Das Ganze erzählt Herwig lustig, mit einem eher harmlos anmutenden Humor und familientauglichen Ereignissen, aber mit Hand und Fuß und einem durchgehenden roten Faden. In Demons ein oder andere zu dick aufgetragen wirkt (der „Facebooknachhilfekurs“ oder der augenrollende „Dönerbuden-Mann“), aber im Gesamten als flüssige, leichte Komödie durchaus zu unterhalten versteht.

 

M.Lehmann-Pape 2015