Blanvalet 2010
Blanvalet 2010

Ulrike Schweikert – Das Antlitz der Ehre

 

Ränkeschmiede, Ehre und Machtgier

 

In Ihrem Roman „Die Dirne und der Bischof“ hat Ulrike Schweikert die meisten der Protagonisten ihres neuen Buches bereits vorgestellt und damit die Vorgeschichte zu „Das Antlitz der Ehre“ geliefert.

Wirkte es zum Ende von „Die Dirne und der Bischof“ noch, als wäre das Happy Ende nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen und Elisabeth könnte als angetraute Ehefrau im Würzburg des 15. Jh. in die Arme ihres geliebten Albert sinken, macht nun bereits der Beginn der Fortsetzung deutlich, dass noch ein langer Weg vor beiden liegt.

Ein Weg, der durch die neue Konstellation der Macht in Würzburg fast unmöglich erscheint.

 

Elisabeths Vater Johann von Brunn hat unter dem Druck der Mächtigen seine Abdankung als Bischof unterschrieben und gesiegelt, Alberts Bruder Johann übernimmt kommissarisch die Amtsgeschäfte, nachdem Albert wegen seiner Liebe zu Elisabeth auf seine kirchliche Laufbahn verzichtet hat. Doch noch lange nicht ist das letzte Wort im Machtkampf gesprochen.

 

Johann von Brunn setzt alle Hebel in Bewegung, um seinen Rücktritt ungeschehen zu machen. Hebel, die auch vor dem Wohl seiner Tochter nicht Halt machen. Der Vater Alberts sieht keinen Vorteil mehr in einer Ehe seines Sohnes mit Elisabeth, nachdem deren Vater nun seiner offenkundigen Macht beraubt ist. Alberts Bruder Johann stirbt unter auffälligen Umständen. Doch rechtfertigt das alles den Bruch des Eheversprechens durch Albert? Wie kann es sein, fragt sich die verzweifelte Elisabeth, dass er sich von Elisabeth zurückzieht, den kirchlichen Dienst wieder aufnimmt und damit seinem getöteten Bruder in die Verwaltung des Bischofssitzes folgt mit der Aussicht, selber Bischof zu werden?

 

Fragen über Fragen. Erst langsam begreift Elisabeth, dass ihr Vater rücksichtslos ein doppeltes Spiel spielt. Und sie nichts anderes ist als eine Figur im Ränkespiel um die Macht in Würzburg. Ebenfalls erst gegen Ende des Buches nach vielen Verwirrungen, Gefangenschaft und Klarheit über die wahren Hintergründe findet Elisabeth zu ihrem klaren Weg.

 

Ulrike Schweikert hat einen weiteren historischen Roman abgeliefert, der ein buntes Bild des Hochmittelalters vermittelt, sich dabei aber vor allem auf die Macht und den Kampf um die Macht hinter den Kulissen konzentriert. Der mittelalterliche Alltag, Details des Lebens in Würzburg im 15. Jh. kommt hier leider etwas zu kurz. Zudem ist die Geschichte um Verwirrung, Umwege der Liebe, Missverständnisse und vermeintliche Enttäuschungen nicht sonderlich neu. Seine Stärken hat das Buch durchaus in der lebensnahen Schilderung der Personen bis hin zum undurchschaubaren Hofnarren, der durchaus im Hintergrund eine gewichtige Rolle spielt.

 

Sprachlich wie gewohnt bei Ulrike Schweikert angenehm und flüssig zu lesen, Hochliteratur ist allerdings beim Aufschlagen des Buches nicht zu erwarten. Zusammen mit der überschaubaren Handlung ergibt sich ein leichtes Lesevergnügen, das nicht unbedingt nachhaltige Spuren hinterlässt, durchaus aber den ein- oder anderen Hintergrund mittelalterlichen Lebens und menschlicher Charakterlosigkeit enthüllt. Freunden von Liebesreigen und Ränkeschmieden werden sicherlich auf Ihre Kosten kommen.

 

M.Lehmann-Pape 2010