Goldmann 2013
Goldmann 2013

Veronika Peters – Die Liebe in Grenzen

 

Unwiderstehlich aber auch unhaltbar...

 

......in ihren Voraussetzungen, scheint es, ist die Liebesgeschichte, die Veronika Peters in ihrem neuen Roman erzählt.

 

War die „Neufindung der eigenen Person“ noch das vorrangig beherrschende Thema des Vorgängerbuches „Das Meer in Gold und Grau“, so lässt Peters dieses Thema in diesem Buch nicht einfach fallen. Aber die Geschichte von Katia Werner entwickelt sich weiter.

 

Immer noch ist „sich finden“, ein „inneres Standing“ erwerben eines der wichtigen Themen ihrer Person, doch durchaus nach vorne schaut Katia Werner in dieser Fortsetzung.

 

Entlassen aus der Fachhochschule für Erziehungswesen aufgrund des Rauchens eines Joints, macht sich Katia in der oberhessischen Provinz auf, ihre Berufsausbildung nun doch durch ein Anerkennungsjahr zu Ende zu führen. Eigentlich rechnet sie sich keine sonderlich großen Chancen aus, als sie sich auf eine Annonce der ortsansässigen „offenen psychologischen Wohngruppe“ bewirbt. Doch schon beim Einstellungsgespräch scheint alles glatt zu gehen.

 

Wenn sich nicht herausstellen würde, dass ihr Gegenüber bei diesem Gespräch kein Verantwortlicher der Einrichtung war, sondern ein Bewohner der Hausgemeinschaft. Doch scheinbar hat dessen Wort Gewicht. Denn Carmen und Martin, die eigentlichen Leitenden, geben Katia umgehend eine Chance. Nach Abstimmung mit allen Bewohnern, natürlich. Denn das Konzept der Einrichtung sieht weitestgehende Gleichberechtigung vor und dient vor allem dazu, den Bewohnern den Kontakt und „Neustart“ im „normalen“ Leben zu bieten.

 

Konrad, der mit Katia des „Einstellungsgespräch“ tätigte,  trägt nicht nur hervorragend geschneiderte, wenn auch altmodische, Anzüge, sondern zeigt sich im Verlauf der weiteren Tage und Wochen auch in vielfach anderer Art und Weise als ein ganz besonderer Mensch. Einer, dem Katia kaum widerstehen kann, zu dem sie sich immer mehr und tiefer hingezogen fühlt und damit auch Grenzen überschreiten wird.

Grenzen, die mit einem blutigen Todesfall deutlich sichtbar werden, später. Grenzen aber auch, die in den Persönlichkeiten bereits angelegt sind, die Katia fast alles an innerer Kraft kosten werden, das sie sich gerade mühsam aufgebaut hatte.

 

Ein wenig konstruiert wirkt die Geschichte schon, die Veronika Peters hier zu Grunde legt. Menschen mit doch erkennbar schweren Störungen in solcher inneren und äußeren Freiheit? Das Überschreiten zwischen Betreuung und Patient in dieser Form? Das wirkt künstlich und zudem hier und da auch sprachlich zu oberflächlich hingesetzt.

 

Das aber schmälert aber kaum die Lesefreude, vor allem im Blick auf die Lebendigkeit, Differenzierung und Tiefe der Figuren, denen Peters ein je ganz eigenes Leben zu geben vermag und deren „Festhalten aneinander“  aus je auch eigener, innerer Zerbrochenheit, Einsamkeit und schwankendem Selbstwertgefühl heraus im Buch präzise und fassbar dargestellt wird.

 

Beileibe kein einfacher „Liebesroman“, sondern ein Psychogramm von Zerbrochenheit und dem Willen, sich selbst zu finden, auch wenn man sich zwischendurch zu verlieren scheint. Und ein deutlicher Verweis auf die (allgemeine) Begrenztheit des Lebens, die Menschen letztlich doch immer nur „ganz in sich“ leben lässt. Und zudem ein gelungener und interessanter Einblick in die “Welt der (vermeintlichen) Störungen), bei denen so mach sich überaus „gesund“ fühlender „Adelsherr“ sich als weitaus bösartiger und problembehafteter herausstellen wird, als der ein oder andere Bewohner der Hausgemeinschaft.

 

Eine durchaus anregende und empfehlenswerte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2013