Bloomsbury 2010
Bloomsbury 2010

 

Wolfgang Korn – Und morgen ein Star!

 

Medienerläuterungen

 

Ein Hauch von Wehmut ist es schon hier und da, der im Buch zu spüren ist, wenn die handelnden Protagonisten einerseits die „alte Welt“ des Journalismus, des gedruckten Zeitungspapiers in Reibung mit der „neuen Medienwelt“ erleben, Blogger, Internet, Reality Shows, die durchweg gecastet und gescript sind und vieles mehr.

 

Aber das Buch von Wolfgang Korn ist bei weitem kein einfacher Abgesang der alten Zeitungswelt, sondern eine unterhaltsame Darlegung der modernen Medienwelt, aufgezogen an den sattsam bekannten Casting Shows auf (fast) allen Sendern. Kaum verhüllt fächert Korn minutiös die Welt hinter den Kulissen auf. Dass „DSDS“ nun „MeiStar“ genannt wird, dass die „Bild“ Zeitungen (wie ungemein zutreffend) im Buch „Blut“ heißt und Dieter Bohlen als „TiBi“ durch die Seiten scharwenzelt (köstlich der Hinweis im Buch auf die frühere Karriere des TiBi in einer „Kastratenband“) bietet einwandfreie und klare Hinweise auf jene konkrete Welt, die der Autor skizziert und die ihm Blaupause für sein Buch ist.

 

Letztlich, und das ist wohl gewählt und gut zum Ausdruck gebracht, ist dieses Buch, trotz der vordergründigen Geschichte um einen jugendlichen Teilnehmer an besagter Casting-Show, eher ein Sachbuch denn ein Roman, eher die Offenlegung der Hintergründe moderner Medien und deren Arbeitsweise denn ein Puzzlespiel um den Verbleib des jungen Sängers.

 

Die Geschichte selbst handelt von einem Junge aus der Provinz, der an MeiStar teilnimmt, beim Auftritt einen (vermeintlichen) dramatischen Zusammenbruch erleidet und seitdem für seine Freunde und Fans unerreichbar verschollen scheint. Sein Freund Eddy macht sich auf, das Rätsel zu lösen und erhält hierbei Hilfe von einem gestandenen Lokalzeitungsredakteur. Gemeinsam klären sie die Vorfälle bis zum überraschenden Ende hin auf.

 

Formal bildet dieser Handlungsstrang allerdings nur den Aufhänger für eine Vielzahl von Einschüben, Erläuterungen und Blicke hinter die Kulisse (auch im wörtlichen Sinne, denn Eddy erhält die Möglichkeit als Reporter, Back-Stage einen Eindruck zu gewinnen).

Durch farblich abgesetzte Erläuterungen bietet Korn zu den einzelnen Medienthemen des Buches vom Aufbau einer Zeitung, der Gewichtung der Themen in den verschiedenen Zeitungen, über die Kosten für TV Produktionen (und warum daher eben Reality Shows so unglaublich beliebt, vor allem aber billig sind), bis hin zu einer Einführung in die klassische, journalistische Recherche. Auf diesem Wege wird auch deutlich, was die eigentlichen Unterschiede zwischen Internet samt einer Vielzahl von Blogs und einer klassischen, journalistischen Arbeit ausmachen.

 

Das Buch ist aus der Sicht eines Abiturienten geschrieben, konsequent im Stil der Jugendsprache verfasst und bietet so keinen leichten Einstieg für Leser, denen die Welt der Blogs und sms fremd sind.

Zu allererst aber, und das in bester Weise, bietet Wolfgang Korn gerade jugendlichen Lesern eine fulminante Aufklärung über das Gezerre hinter den Kulissen mancher Shows. Wer nach der Lektüre noch glaubt, bei irgendeiner der Casting-Shows mit Leistung eine Chance zu haben, überhaupt eine gewisse Objektivität hinter solchen Veranstaltungen vermutet, der wird auch von der Nicht-Existenz des Weihnachtsmannes nicht mehr zu überzeugen sein.

Im Gegenzug bietet Korn zudem eben  nicht nur die Entzauberung verkaufsträchtiger Illusionen, sondern schildert präzise und überzeugend die fundierte journalistische Arbeit.

 

Ebenso, wie es dem Redakteur im Buch darum geht, den jungen Eddy zur Qualität statt zur Oberflächlichkeit zu führen, möchte dies Korn auch im Blick auf seine Leser erreichen. In dieser Beziehung wird das Buch auch wieder interessant für ältere Jahrgänge, denn nicht nur kreischende Teenager sitzen vor den einschlägigen Programmen.

 

Anders in Form und Sprache, mit fundiertem Wissen und einer klaren Haltung bietet das Buch einen überzeugenden Einblick in den selbstinszenierten Hype der modernen Medienwelt und verweist auf dauerhafte Qualität, die eben nicht so einfach und billig zu haben sein wird.

 

M.Lehmann-Pape 2010