S.Fischer 2016
S.Fischer 2016

Alex Perry – In Afrika

 

Blick auf das Heute und Morgen eines unterschätzten Kontinents

 

Das Afrika eine Zukunft haben könnte, sogar eine aussichtsreiche, das fällt im Rahmend er gegenwärtigen Diskussionen und Zustände weitgehend unter den Tisch.

 

Millionen von Flüchtlingen an Europas Südgrenze, überladene Nussschalen auf dem Mittelmeer, eher wirkt die Bestandsaufnahme wie ein Kontinent, dem die Menschen davonlaufen, und das ohne Rücksicht auf die Gefahren für Leib und Leben.

 

Dennoch aber, und das stellt der Leser nach der Lektüre dieses intensiven und kenntnisreichen Buches fest, diese Momentaufnahme einer Welt unter Risiken, Kriegen und Gefahr ist doch vielleicht nur eine bedrängende Etappe in einem allgemeinen Entwicklungstrend, der im Lauf des letzten Jahrzehnts eher deutlich ins einer Kurve nach oben zeigt denn nach unten.

 

„Die Natur bringt Dürren hervor, aber nur der Mensch produziert Hungersnöte“.

 

Diese pointierte Aussage Perrys zu Beginn seines Werkes trägt in sich bereits den roten Faden des gesamten Buches.

Da, wo konstruktive Verhältnisse eine Chance erhalten, wo Volk und Führung sich in Vernunft aufeinander beziehen, da sind durchaus prosperierende Verhältnisse auch über längere Zeiträume zu entdecken, wie Perry aus eigener, fast ein Jahrzehnt währender Anschauung vor Ort berichten und feststellen kann.

 

Da, wo Warlords, Korruption, Stammeskriege und Gewalt die Oberhand erhalten, blutet der Kontinent und könnte, trotz aller Möglichkeiten, die Perry nicht müde wird, zu zeigen und zu beschreiben, „aneinander ausbluten“.

 

„Nach 16 Jahren der Kämpfe zwischen diversen Clans war jede Fassade von tausenden von Kugeln durchsiebt“.

 

Clans, Bürgerkriege, der Dschihad, das ist die eine, bekannte, auch medial weit verbreite Seite Afrikas. Und das ist nicht gelogen, Was aber häufig unter den Tisch fällt ist die andere, kreative, konstruktive Seite.

 

„Diese geistige Beweglichkeit, gleichsam eine gesteigerte, von Raum und Zeit befreite Phantasie, ist entscheidend für ein Verständnis des neuen Afrika. Afrika ist nicht nur ein einziger Ort zu ein und derselben Zeit. Es ist zugleich Dritte Welt und Erste Welt, Kapstadt und Kogelo, Buschtrommel und Mobiltelefon“.

 

Beides stellt Perry ausführlich in überschaubaren und gut zu lesenden Kapiteln dar, diese „segensreiche Schizophrenie“. Allerdings muss, gerade weil das Buch so sachlich und informativ verfasst ist, bemerkt werden, dass die Inhalte den Angaben im Klappentext und auf der Rückseite des Buches nicht umfassend entsprechen. Es hält sich die Waage zwischen Gefahr und Chance, das ist das Resümee der Lektüre. Durchaus nicht gebannt ist die Gefahr eines völligen Chaos und eines Untergangs afrikanischer Zentralrepubliken an- und untereinander, auch wenn ein „moderner“ Staat wie Südafrika eher wohl nicht in Gefahr eines baldigen Untergangs steht.

 

Dennoch ist es faszinierend zu lesen, wieviel kreative Ansätze Perry zu schildern vermag. Bis dahin, dass in Mogadischu nach Jahren des Terrors und Kampfes „Afrikaner afrikanische Probleme“ tatsächlich gelöst haben. Fast „gegen“ Alle Hilfe und Unterstützung von außen, vor allem von Seiten Amerikas (Dank vor allem der ugandischen Armee).

 

Was die Wurzeln sind, wie es gehen könnte, wo es schon geht und wo es noch stockt, das beschreibt Perry kenntnisreich und flüssig im Stil.

 

 

Eine interessante Lektüre zum Potential an vielen Orten und in vielen Bereichen der afrikanischen Gegenwart, differenziert auf der Blaupause der vielfachen brutalen und grausamen Kämpfe in Afrika geschildert. Ein Buch, das letztendlich Mut macht und all das eben auch dem Leser vorlegt, was in der alltäglichen Berichterstattung weitgehend untergeht.

 

M.Lehmann-Pape 2016