Motorbuch 2012
Motorbuch 2012

Alexander F. Storz – So rollte die DDR

 

Vom Eigenbau zum großen Markensterben

 

Trabant, Trabant, Trabant und für die, die sich „mehr“ leisten konnten einen Wartburg. Das war es doch, was in der DDR automobil unterwegs war, natürlich mit Ausnahmen bei der politischen Elite, oder?

 

Weit gefehlt, wie Alexander F. Stolz in seinem interessanten Werk in Text, vor allem aber im Bild belegt.

 

Auch wenn Trabant und Wartburg durchaus das Gros im Bild des Straßenverkehrs der DDR darstellten, vieles andere war durchaus zu entdecken. Ein „Sachsenring P240“ zum Beispiel. Oder ein „ZIM GAS-12“ (der „schwarze Rabe“) konnten durchaus hier und da auf den Straßen gesehen werden.

 

Von den Eigenbauten und den Improvisationskünsten der Vorkriegsjahre, mit denen das Buch einsetzt, über „Plaste statt Stahl“ als „Ruck des DDR-Wirtschaftslebens“ über, vor allem, vielfache Importe aus den „sozialistischen Bruderländern“, durchaus breit ist die Palette der mobilen Fortbewegung zu DDR Zeiten gewesen. Wobei die Improvisationskünste durchweg und in der ganzen Zeit gefordert waren,  nicht nur in den kargen Anfangsjahren (wie sich auch im vorletzten Kapitel der „Wartung in der DDR“ zeigen lässt).

 

Ganz spannend ist das Kapitel über den „Renn- und Rallyesport“ in der DDR mit „Veritas“ und „Borgward“ Anfang der 50er Jahre, später dann dem „Ketten-Wartburg“ oder der „Wartburg 353“ im Rallyesport der beginnenden 70er Jahre.

 

Neben den vielfachen offiziellen Bilder solcher Kapitel finden sich im Buch allerdings vielfach auch anregende Aufnahmen aus „Familienalben“, die nicht nur das Automobil, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte und Atmosphäre der Zeit mit transportieren.

 

Eine Trauung mit weißem „GAZ M-24“ (fast ohne Wartefrist zu erhalten, weil ihn wirklich keiner wollte), Urlaubsfahrt mit dem „Zaporojez ZAZ-966-A“ und vieles ähnliche mehr zeigt die Entwicklung des Automobils in 50 Jahren DDR zu verschiedensten Zeiten mit durchaus verschiedenen Ergebnissen.

 

Diese durchaus „kleine Vielfalt“ arbeitet Storz technisch fundiert und gut lesbar in seinen vielfachen und breite angelegten Texten auf.

 

Alles in allem ergibt dieser Bildband einen profunden Blick in die Mobilität der DDR, in diverse Fabrikate, Typen und deren (manchmal nur versuchter) Weiterentwicklung. Als Zeitzeugnis ist das Buch nicht nur für technisch interessierte Leser empfehlenswert, sondern durchaus auch als ein Stück „bebilderter Zeitgeschichte“ zu verstehen.

 

M.Lehmann-Pape 2012