National Geographic 2017
National Geographic 2017

Andreas Kieling, Kilian Schönberger – Sehnsucht Wald

 

Berauschende Bild- und Farbenpracht

 

„Jeder Wald ist ein Versprechen. Das Versprechen der Ruhe, das Versprechen, sich sammeln zu können und zumindest für einen Augenblick zu sich selbst zu kommen“.

 

Das gilt zumindest für Andreas Kieling, dessen Lust zur und an der Natur schon für vielfache Bildbände und Erzählungen Grundlage war. Und auch für jene Leser, die zunächst wenig bis nichts mit dem „Ruheort Wald“ anzufangen wissen, transportieren Kieling und Schönberger durch Bild (vor allem!) und Text in bester Weise spürbar und sichtbar ihre persönliche Begeisterung, teils fast Andacht, dem Wald, den darin lebenden Tieren, der „wilden Natur“ gegenüber.

 

Und dafür braucht man in der Regel nicht in weite Fernen zu schweifen. „Nachbarschaft zum Wald“ auch das ist, was dieser Bildband sichtbar vermittelt, oder, wie Kilian Schönberger es ausdrückt, „wo der Garten endet, fängt der Wald an“. Vielleicht nicht in zentralen Lagen jeder Großstadt, aber doch in schnell erreichbarer Nähe. Und das ist gut so.

 

Aufgeteilt ist dieser Bildband nach dem Lauf der Jahreszeiten und fängt die entsprechenden Stimmungen im Wald vom „Aufbruch“ (Frühling) bis zur winterlichen Ruhe in vielfachen Facetten ein. Schräge, krumm gewachsene Bäume auf einer hügeligen Wiese bis zu „Bruno“, dem Bären, mitten im dichten Gestrüpp des Waldes, von wie Fahnenstangen kerzengerade gewachsenen, hochstämmigen Buchen, die ihrem Namen „Gespensterwald“ alle Ehre auf dem Bild im Buch machen bis zu Ästen knapp über der Oberfläche wilder Bäche, die ein zur Besinnung einladendes Schauspiel darbieten.

 

Wobei, neben teils breitformatigen und oft atemberaubenden „Wald-Bildern“ auch das Tierleben im Wald nicht zu kurz kommt.

 

Der Rotfuchs, der sich in die Wiese hineinduckt, die mächtigen Wisente, die im Wald grasen, die Hirsche, die ihre Revierkämpfe bestens im Bild austragen.

 

Vom leuchtenden Grün bis zu den explodierenden Farben des Herbstes, vom ruhigen Sonnenschein im Sommer mit fast gemächlichem Schatten unter den Bäumen bis hin zur weißen „Postkartenidylle“, die fast schon kitschig wirken würde, wäre nicht diese völlige Unberührtheit im Bild festgehalten, zeigen Kieling und Schönberger alle Facetten des Waldes, alles Farben, Bäche und Wiesen, Tannen und Laubbäume, scheue Tiere und sogar „unbezähmbare“ Wölfe bis hin zu ausladenden Klatschmohnwiesen.

 

Wie nebenbei findet sich unaufdringlich noch eine kleine Baumkunde auf den Innenseiten der Deckseiten und zu jedem der, manchmal gar surreal wirkenden Bilder (durch eisige Winde und Schnee in unnachahmlichen Formen erstarrte Bäume auf einem Gipfelplateau).

 

Bilder, die oft für eine Überraschung gut sind und die bestens den “Wald“ in sein ureigenes „Licht“ rücken.

 

 

Ein Genuss für den Betrachter und immer wieder mit neu zu entdeckenden Einzelheiten und Kleinigkeiten auf vielen der Bilder.

 

M.Lehmann-Pape 2017