Kösel 2014
Kösel 2014

Beate Winkler – Es ist etwas in mir, das nach Veränderung ruft

 

Veränderung begrüßen

 

Es ist schon ein wenig merkwürdig mit der Haltung der Menschen zur Veränderung.

 

Einerseits wollen viele „noch irgendwohin“, arbeiten auf ein „wenn – dann aber“ zu. Merken vielleicht auch hier und da, das alte Bezüge nicht mehr wirklich passen oder funktionieren, aber wenn es dann an konkrete Veränderungen geht, an einen Neuaufbruch oder auch nur das ändern kleinerer Gewohnheiten, ist eher Abwehr das vordergründige Verhalten denn das Neue anzugehen.

 

Wie im Kleinen, so im Großen, denn auch auf politischer Ebene ist der Gedanke des Bewahrens dessen, was ist, der Beibehaltung der Wachstumsordnung und anderer „Stabilitäten“ vorrangig fast vor allem anderen.

 

Wenn dann Veränderungen massiv ihr Recht fordern, geht das an vielen Orten der Welt in der Gegenwart und Geschichte meist nur mit Kampf, Aufstand, Revolutionen zusammen. Ansonsten bleibt eben alles beim Alten.

 

„Wir alle brauchen Vertrauen in die Veränderung unseres eigenen Lebens“, so schreibt Stephane Hassel im Vorwort zu diesem Buch. Das trifft den Punkt. Denn jene Haltung, von Therapeuten oft beschrieben, die ein Klient zunächst an den Tag legt, „verändere mich ohne mich zu verändern“ drückt nichts anderes aus als die Sorge, in einer Veränderung nicht bestehen zu können, sich gerade so noch im Leben an das rettende Ufer eines „Zustandes“ bewegt zu haben, den man tunlichst nicht anrühren sollte in seiner fragil empfundenen Struktur.

 

Der meistgenannte Satz schon in der Bibel lautet so nicht umsonst: „Fürchte Dich nicht“.

 

Ruhig, Schritt für Schritt, überaus empathisch und doch klar geht nur Beate Winkler dieses Spannungsverhältnis im Menschen an. Das Beharren, die Scheu vor dem Risiko des Neuen, das massive verteidigen eigener Lebensumstände und, vor allem, der eigenen inneren Haltungen einerseits und die Sehnsucht und Neugier, die im Menschen ebenfalls spürbar angelegt ist. Das Leben ist auf Entwicklung hin ausgerichtet. Entwicklung bedeutet, Neuland zu betreten. Neuland ist unbekannt und daher mit Risiken versehen. Aber nur so entfaltet sich der Mensch, entwickelt sich seine Persönlichkeit, taucht ein Gefühl von Sinn und Erfüllung auf.

 

Dem Ruf Raum zu geben. Den Mut aufzubringen. Sich vorzuwagen, dazu motiviert Beate Winkler. Um das zu leben, was noch darauf wartet (geduldig, aber auch spürbar), gelebt zu werden. Motiviert durch ein gründliches „Abschreiten“ des Raumes der Veränderung, aber auch durch ihre einfließenden, persönlichen Erfahrungen.

 

„Will ich mehr vom Gleichen, oder etwas leben, was noch darauf wartet, gelebt zu werden“?

 

Gut, dass Winkler hier so umfassende, auch kleine Schritt anbietet, um die Angst zu mindern und die Lust an der Veränderung wachsen zu lassen.

„Möchtest Du, dass die Menschen ein Boot bauen, gib ihnen nicht Werkzeug, sondern erzeuge die Sehnsucht nach der Weit des Meeres“.

Das beschreibt die Haltung des gut lesbaren  Buches.

 

Und erst zum Schluss zeigt Winkler auf, dass all diese persönlichen Inhalte, die Wichtigkeit, für sich Veränderungen offensiv und mit Freude zu leben, durchaus auch Teil größerer Systeme und Diskussionen sind.

 

Im Change Management, in der Resilienzforschung, im lebenslangen Lernen, wie Winkler kompakt darstellt.

 

Im Gesamten in einer Mischung aus Achtsamkeitshaltung, Stille aushalten können, Ziele visualisieren und eigene Ressourcen entdecken (lösungsorientierte Therapie) bietet Winkler so eine schöne, motivierende Lektüre, die wieder einmal verdeutlich, dass Änderungen, Veränderungen sowieso und an sich beständig stattfinden. Und das es dem Menschen sehr viel besser tun würde, diesen offen gegenüber zu stehen, statt sich teils massiv zu sperren.

 

 

Eine empfehlenswerte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014