Droemer 2011
Droemer 2011

Ben Becker – Na und, ich tanze

 

Bericht aus einem prallen Leben

 

Mitten im Leben steht er, Ben Becker, mit seinen 46 Jahren. Eigentlich kein Lebensalter, in dem in der Regel eine Biographie bereits zwingend notwendig wird. Wenn man andererseits den beruflichen und privaten Weg des Schauspielers Ben Becker ein stückweit mitverfolgt hat, dann macht es durchaus fast schon Sinn, jetzt bereits einen Einblick in dieses prall gefüllte Leben des Schauspielers zu geben. Denn weder in seiner beruflichen Leidenschaft (und der Vielzahl seiner bisherigen Arbeiten und Projekte) als auch in seinem privaten, persönlichen Bereich hat Ben Becker allzu viel ausgelassen. Einer, der sich hereinstürzt, der mit hoher Geschwindigkeit und Leidenschaft und Tiefe arbeitet und lebt, der hat durchaus das ein oder andere Erhellende zu erzählen.

 

Eindringliche Rollen, Skandale, harte Abstürze, all das stand in diesem Leben bereits an. „Na und, ich tanze“ ist Beckers Antwort auf die vielfachen Darstellungen seiner Person und seiner (vor allem) privaten Seiten in den Medien und der Öffentlichkeit. Ein „zurecht rücken“ und „klarstellen“ soll das Buch sein, da Becker den starken Eindruck hat, das sein öffentlich geprägtes Bild nicht seiner wahren Person entspricht. Ein Buch, das er mit „dem Tod“ beginnt, fast zu erwarten bei einem, der grundlegend jemand ist, der „gegen den Strich“ bürstet (ob er will oder nicht).

 

Natürlich zunächst nur eine Rolle, dieser Tod, aber schon die ersten Seiten verraten viel über das Selbstbild Beckers, dass durchaus flüssig und interessant in diesem Buch transportiert wird. „Den Tod spielt man nicht mal eben so runter, jedenfalls ich nicht“. Einer, der „dem Tod“ durchaus ins Auge schon geblickt hat, 2007 bei seinem massiven Zusammenbruch. Ein Zusammenbruch, der ebenso im Buch geschildert wird, wie generell das Exzessive, Auslotende, Hineingehende ins Leben. Alles darf das Leben und die Arbeit sein, zerreißend, berührend, aufregend, nur eines nicht, langweilig.

Soweit könnte man die Lebenshaltung Beckers zusammenfassen, die er über die knapp 490 Seiten des Buches transportiert und mit vielen Fotografien illustriert. Fotografien übrigens, die durchaus treffend das geschriebene Wort ins Bild zu setzen vermögen. Eines der Bilder zeigt den dandyhaft, ordentlich gekleideten Becker mit gezähmter Frisur, einer, der vom äußern Anschein wirkt wie ein gesetzter und beruhigter Bürger, wenn da nicht die tränengeschminkten Wangen wären und dieser intensive, umschattete Blick. Ein Bild eines Menschen, der einerseits ankommen will, vielleicht gar bürgerliche Ruhe sucht und dennoch immer wieder von Natur aus ausbrechen muss, auch auf Kosten der eigenen Befindlichkeit und des eigenen Umfeldes (was ebenfalls dem Buch abzulesen ist).

 

„Vielleicht spürt man sogar so was wie Sehnsucht nach einem geregelten, bürgerlichen Leben. Man stellt die spießigsten Sachen an und betrügt sich doch nur selbst. Denn tief drinnen ist man immer noch der andere.“

 

Dass Becker diesen „anderen“ hegt und pflegt, dass ein gutes Stück Stolz und Selbstverliebtheit, ein durchaus auch Hegen des Rufes als „Enfant terrible“ in den Zeilen zum Ausdruck kommt, dass war fast selbstverständlich zu erwarten und, das bedarf es sicherlich auch, eine Vielzahl von Rollen mit solcher Intensität und persönlicher Dichte auf die Bühnen und in die Silmezu bringen, wie Becker es bereits getan hat. Nicht nur seine „Bibellesung“, eigentlich alle Arbeiten, die Becker abgeliefert hat, sprechen eine Sprache in diese Richtung.

 

Arbeiten und Erlebnisse, die er im Buch ausbreitet, in seiner ihm eigenen, äußerst lockeren Redweise, in denen immer wieder deutlich wird und mitschwingt, dass Becker letztendlich trotz der Seite der Sehnsucht nach Ruhe und einem Lebensrahmen sich (zumindest zur Zeit) immer wieder doch für den anderen, den aufregenden, den intensiven, den „sich hineinstürzenden“ Weg entscheiden wird.

Noch. Denn eines ist ebenfalls diesem Buch abzuspüren. Dass da einer ins Nachdenken geraten ist. Sich durchaus den Fragen nach dem „immer Kind bleiben wollen“ stellt und beginnt, auch andere, gereifte Richtungen des Lebens in sich zu spüren.

 

Man darf gespannt sei auf die weitere Entwicklung der Person Ben Becker in seiner Arbeit und seinem Leben, einen guten Einblick in seinen Weg bis heute gibt dieses Buch allemal und ist durchaus lesenswert als Zeugnis eines „leidenschaftlich Lebenden“.

 

M.Lehmann-Pape 2011