Bernadette Gilbertas, Oliver Grunewald – Island. Die unvollendete Insel

 

Opulenter Bilderreigen

 

Island ist im Kommen. Literarisch auf jeden Fall. Nicht nur, weil Island Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse war, sondern vor allem, weil gerade in den letzten Monaten eine Vielfalt und Vielzahl an Büchern isländischer Autoren erschien. Vom Thriller bis zum Roman, von einer Landesbetrachtung bis zu alten Frauen, die in einer Garage auf den Tod warten.

 

Wer durch die vielfachen Schilderungen von Land und Leuten, Landschaften und Stadtbildern im Rahmen dieser Bücher bisher bereits angeregt war und neugierig auf dieses kleine Land mit seinem besonderen Flair und seiner doch andersartigen Art zu leben auch, der erhält nun in bester Weise durch diesen opulenten Bildband einen qualitativ hochwertigen und vielseitigen visuellen Eindruck der vielfältigen Landschaft Insel.

 

Anders als in reinen Bildbänden ist in diesem Buch der Textteil durchaus ausgeweitet vorliegend. Was die Bilder nicht leisten (Eindrücke von Menschen, Städten, Lebensweise und Zivilisation), bringen die Texte desto deutlicher zum Ausdruck. Einen Einblick in die Art der Isländer. Das LEebnd er Landwirte auf dieser doch auch im Wetter extremen Insel, einen Einblick in die hohe (und gepflegte!) Individualität der Isländer, ein kleiner Blick auf die Verwurzelung der Elfen in der isländischen Erzählkunst, aber auch das moderne Leben wird erwähnt, die Lebenssituation vieler Isländer, die zum einen sich, als gesamtes Volk fast, der Kunst zugewandt fühlen, zum anderen aber in einem solch kleinen Land natürlich nicht alle von der Kunst leben können, somit „mehrere Persönlichkeiten“ in sich vereinen und eben mehrer Tätigkeitsfelder bedienen. Auf der Basis eines hervorragenden Schulsystems.

 

Vielfache einprägsame Landschaftsbilder von stummen Gletschern, Nordlichtern, dunklen Tagen und Hellen Nächten, ausbrechenden Vulkanen, rauen Bergen und weitem Meer (samt Fischen und Fischfang) weisen den Betrachter visuell auf die „Seele Islands“ hin, während vielfältige Texte in allerdings eher knapper Form die Geschichte der Insel, die Lebensart zwischen Arktis und gemäßigt und die Freuden (und Härten) des Lebens auf der Insel näher erläutern (und damit einen textlichen Zugang zur „Seele Islands“ liefern.

 

Die eindrucksvolle Bilder stehen dabei natürlich, wie in jedem Bildband von National Geographic, deutlich im Vordergrund. Ein wenig schade ist es schon, dass sich die Autoren auf reine Landschaftsbilder beschränken, ein wenig mehr auch visuellen Einblick in das alltägliche Leben, die Städte und vielen, vielen kleinen Ortschaften Islands wäre durchaus interessant (und wünschenswert) gewesen.

 

Doch trotz dieses (kleinen) Mankos ist das Buch dem neugierigen Leser zu empfehlen, um ein stückweit mehr zu verstehen, wie Natur und Menschen auf Island „ticken“ und warum die Isländer quasi „geborene Geschichtenerzähler“ sind.

 

M.Lehmann-Pape 2011