btb 2012
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Birgitz Lutz – Unterwegs mit wilden Kerlen

 

Mitten im ewigen Eis

 

„Wenn Bären etwas wollen, finden sie einen Weg“.

 

Auch Eisbären. Und das ist nur einer der „wilden Kerle“ (im übertragenen Wortsinn), dem Birgit Lutz auf ihren diversen und extremen Touren begegnet ist. Einer, den man massiv im Blick haben muss, will man in der Arktis überleben. Expeditionen in die Arktis, eine bekanntermaßen lebensfeindliche Umgebung, die dennoch voller Faszination, voller Abenteuer und voller immer neuer Entdeckungen ist.

 

Expeditionen mitten hinein in eine fremdartige, extreme Welt, in die Brigit Lutz ihre Leser in unterhaltsamer und sprachlich leicht nachvollziehbarer Form mitnimmt. Vielfach sind ihre Erlebnisse ihrer vielen Erkundungen der Arktis, die sie nun konzentriert vorlegt. Erlebnisse und Schilderungen einer Frau, die an Orten, wo an sich wenig Menschen und kaum Frauen sich aufhalten, ihre Sehnsucht nach dem Extremen lebt, die der „Faszination Arktis“ verfallen ist. Wobei es oft nur äußerlich „wilde Kerle“ sind, die ihr auf diesen vielfältigen Wegen begegnet sind. Raue Piloten etwa, die dennoch eine „wohlerzogene Höflichkeit“ im Habitus besitzen. Und die ein gefährliches Leben leben, was der Absturz Vladimirs und dessen damit einhergehenden Tod nachdrücklich im Buch aufzeigt. Unprätentiös geschildert, eine große Dramatik macht Lutz nicht um ihre Erlebnisse, die gerade aufgrund der eher nüchternen Schilderungen um so nachdrücklicher ihre Wirkung entfalten.

 

Ein gefährliches Leben in einer gefährlichen Umwelt, die vielfachen Fotografien im Buch geben einen ganz hervorragenden Eindruck vom „Leben im Eis“ und illustrieren in bester Form die kleinen und großen Geschichten, die Birgit Lutz erzählt. Wobei es durchaus stimmt, dass man ein Faible für die Weite, das Abenteuer und den kargen Landschaftsblick besitzen sollte, um sich in Birgit Lutz einzufühlen.

 

„Wer diese Leidenschaft für die alten Pioniergeschichten nicht verspürt, der müsste nun enttäuscht sein. Müsste rätseln, was uns hierher gelockt hat, an diesen zugigen, ungemütlichen Ort. Es gibt in der Tat nicht viel zu sehen“.

Aber viel zu erleben. Mit sich. Mit seinen eigenen Grenzen, an die man unweigerlich in der Arktis gerät.

 

Dies ist mit eine der Qualitäten des Buches, das Lutz ihre Faszination, das, was in ihr jene Lust auf das Extreme und die Arktis ausmacht, zu schildern und mitzuteilen versteht. Freiweg erzählt sie, ungekünstelt in der Sprache und der Schilderung faszinierender, trauriger, bedrückender, berauschender und gefährlicher Momente im ewigen Eis. Eine inneres und äußeres Erleben, für das es heißt, zu arbeiten.

„Kacheln zählen“ nennt Lutz die dröge, körperliche Vorbereitung in den heimischen Hallenbädern, die vielen Laufrunden durch ihre heimische Landschaft am Schliersee. Alles, um stark genug zu sein für die Herausforderungen in extremer Umwelt.

 

Auf knapp 240 Seiten bringt Birgit Lutz dem Leser ihre eigene Faszination nahe, macht ihre inneren Motive sichtbar, lädt dazu ein, die überwältigende Natur der Polregionen mit ihr zu genießen und erzählt von vielen Begegnungen und Menschen auf ihren Wegen. Eine durchaus anregende Unterhaltung und ein interessanter Einblick in die mit extremsten Orte dieser Welt.

 

M.Lehmann-Pape 2012