Heyne 2014
Heyne 2014

Brett Forrest – Schattenspiele

 

Ernüchternd

 

Ganz gerne schallt es „Schiebung“ von den Rängen im Fußballstadion, wenn die Fans mit einer Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden sind. Wahrscheinlich ahnt der „normale Fan“ gar nicht, wie nah er damit nicht  immer, aber viel zu oft der Wahrheit hinter dem Spiel kommt.

 

Bis heute z.B. steht das WM Spiel von 1978 zwischen Argentinien und Peru unter starkem Verdacht, massiv vor allem durch politischen Druck manipuliert worden zu sein. Für die Junta war ein Gewinn des Titels durch Argentinien entschiedene Sache, anscheinend, und jeder Weg wurde dazu genutzt.

 

Solche weltweit beachteten Momente von möglichen „Absprachen“ oder möglicher „starker Einflussname“ haben zunächst, auf den ersten Blick, wenig mit irgendwelchen, für die breite Wahrnehmung eher uninteressanten, Drittligaspielen auf irgendeinem Kontinent oder selbst in „Nebenspielen“ einer Qualifikation zur Europaliga zu tun.

 

Auf den zweiten Blick aber eine ganze Menge. Sind auch die Motive weitverbreitet weniger politisch und weniger mit offenkundiger Gewaltandrohung verbunden, so spielt weltweit im Fußball und um den Fußball herum das Geld eine entscheidende Rolle. Nicht nur bei den „offiziellen Wegen“ von Gehältern und Ökonomie der Vereine, sondern massiv auf den „kriminellen Wegen“ der Wettbüros.

 

Eine Welt, der sich Brett Forrest in sehr klarer und fundiert recherchierter Form in seinem neuen Buch zuwendet. Meldungen, die seit Jahren bereits immer wieder auch in den Medien bekannt werden, die aber nur die Spitze eines immensen Eisberges bilden, der an Manipulation und Wettbetrug das ganz große Geld fließen lässt. Hinter den Kulissen und das in sehr, sehr geschickter Form.

 

Wie das von statten geht, wie Spieler, Schiedsrichter, Verantwortliche in Vereinen angegangen werden, wie Bestechung, Druck auch an hohen Stellen nicht ohne Wirkung bleibt und wie im Gesamten „das Spiel“ von außen dadurch beeinflusst wird, das alles legt Forrest facettenreich dar und erläutert dem Leser unter anderem das „asiatische Handicap“. Und wie gerade bei „Randspielen“, die kaum Beachtung finden, viel Geld zu verdienen ist, solche Spiele die „Grundlage eines weltweit erfolgreichen Geschäftsmodells“ bilden.

 

Zum Mittelpunkt seiner Darlegungen wählt Forrest Chris Eaton, der zum einen als Interpol Mitarbeiter weiß, wie man kriminellen Machenschaften auf die Spur kommt und der zum anderen als einstiger Mitarbeiter für Sicherheit bei der FIFA intensiv Kontakt zum „Geschäft“ hinter dem Spiel erhalten hat.

 

Flüssig, fundiert, gut zu lesen und klar in seinen Aussagen erhält der Leser einen ganz anderen Blick hinter die Kulissen eines Milliardengeschäftes mit dem Fußball, das nicht nur in Hinterzimmern von Wettbüros für ein wenig Wirbel sorgt, nicht nur auf „Nebenplätzen“ von Freundschaftspielen oder unteren Ligen sich breit gemacht hat, sondern weltweit per Internet, Schmiergeldern, Bedrängungen und Bedrohungen wie eine Gelddruckmaschine für die Hintermänner funktioniert.

 

 

Eine empfehlenswerte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014