Heyne 2018
Heyne 2018

Bruce Dickinson – What does this button do?

 

Hervorragend geschrieben, witzig und dennoch mit Tiefgang

 

Das Dickinson nicht nur in hautengen Latexhosen (ein interessanter und eigentlich nicht überzeugend anmutender Geschmack in Richtung Bühnenkleidung der ersten Jahre bei Iron Maiden) seinen „Mann steht“, sondern schon von Kindheit an ein „Erprober“ war, auch um den Preis mehrfach versohlter Hintern gerade im Internat später, das gibt dem Buch immer wieder humorvolle, treffende und auch die Person einfangenden Anekdoten.

 

So trifft der Titel den Nagel auf den Kopf in diesem neugierigen Leben, mit trockenen Sprüchen, einem hohen Maß an Selbstironie (der kann herzhaft über sich selbst lachen) und ständig die Finger an „irgendwelchen Knöpfen“.

 

Die Suppe, die er wortwörtlich zusammenrührt, kostet ihn, kurz vor Schluss den Platz im Internat (was, liest man die vorherigen Seiten der Beschreibung dieser Zeit, eher kein Verlust fürs Leben war). Das er mit dreimal der gerade noch ausreichenden Note einen Abschluss hinbekam, dass er im Studium der Geschichte zwar noch weiß, wie der Himmel aus den Fenstern heraus betrachtet war, aussah, aber wenig zum Inhalt des Studiums sagen kann, das passt zu den frühen, kindlichen Erfahrungen (mit 10 Jahren war er Missionar einer Freikirche). Denn, und dies nur mit einem statt zwei zwinkernden Augen, Bruce Dickinson wollte früh „in der Musik aufgehen“ und die Zeilen seiner Autobiographie zeigen auch in den harten Anfangsjahren, dem mehr Wollen als Können, dem „Lärmen“ statt „Musizieren“ einen gewissen, tatsächlich heiligen Ernst.

 

Angenehmerweise nicht, was das eigene Talent und die eigene Bedeutung angeht, sondern sehr berührend für den Leser eine innere Welt, die in der Musik eine Form von „Erlösung“ findet. Ein klarer, innerer Weg, der nicht zwangsläufig, aber doch zum Glück für die Rockmusik, irgendwann erfolgreich auf die Bühne führte.

 

Das im Vorfeld der eigentlich dem Alkohol stark abgeneigte Dickinson (was sich aus den Erzählungen aus seinem Elternhaus stringent ergibt) mit der ersten „richtigen“ Band Samson dennoch mal lieber promilletechnisch auf gleicher Höhe blieb, wie Ian Gillan zweimal gar die mit entscheidenden Eindrücke in Person hinterließ (wobei das zweite Mal zwischen Dickinson und Gillan bis heute ein „Runnung Gag geblieben ist ob der eher übleren Form der zweiten Begegnung), all das liest sich im Tempo wie im genau mit der richtigen Geschwindigkeit treibenden Fluss einfach Seite für Seite wunderbar weg.

 

Mit nichts außer immer ein wenig Geld, Überziehungskrediten, Verstecken vor dem Vermieter damals in London, erste Gehversuche mit der Musik, die eigentlich je so frustrierend endeten, dass es einer wirklich inneren Überzeugung brauchte, dabei zu bleiben. Zeitkolorit in Massen mit Dabei, vom Melody Maker bis zu fast vergessenen Wegbereitern des Rock wie van der Graaf Generator. Die Zufälle des Lebens, bis dann Iron Maiden rief.

 

Und auch diese noch lange nicht auf der Höhe irgendeines Erfolges. Ein Leben, das im Übrigen vielfach interessiert ist und war, Pilot ist der Mann auch noch „im Nebenberuf“, war „Fechtkapitän“ seines Internats, einer, der auch Brüche nicht scheut, der mitten im Erfolg bei Maiden zunächst ausstieg.

 

Ein Leben auch mit harten Schlägen wie der Krebserkrankung, auch noch am Jungenbein, für einen Sänger schwere Zeiten und Momente, die Dickinson ebenso trocken erzählt, ohne ins „Klein-Reden“ sich zu verlieren, wie das im Gesamten Buch der Fall ist.

 

Wer die Musik liebt (dazu muss man noch nicht Iron Maiden Fan sein), die Atmosphäre der 70er und frühen 80er hautnah miterleben möchte, der ist mit dieser Autobiographie bestens bedient. Und wird inspiriert von einem hellen Kopf und „lebensmutigen“ Mann.

 

M.Lehmann-Pape 2018