National Geographic 2017
National Geographic 2017

Carmen Rohrbach – Am Anfang steht das Fernweh

 

Vierzig Jahre Abenteuer

 

Es gibt sie noch. Jene Menschen, die fasziniert vom Reisen ans ich sind. Die abseits des Mainstream-Tourismus tief in die Landschaften, Traditionen, Besonderheiten der bereisten Länder und Gegenden eindringen. Für Carmen Rohrbach ist dies eine Lebenshaltung, kein Luxus des „Urlaubs zwischendurch“. Neugierig und mit offenen Augen bereist sie besonderen, ehrausfordernde Länder und Landschaften und besitzt das Talent, ihre Erfahrungen in Bild und Wort für den Betrachter nachvollziehbar und anregend zu vermitteln.

 

„Das Abenteuer-Gen ist mir in die Wiege gelegt worden“.

 

Denn eine ähnliche Veranlagung „zum Fernweh“ war im sozialen Umfeld der Reisenden nicht anzutreffen.

Wobei Rohrbach beileibe keine ist, die einfach drauflos stürzt und mal sieht, wohin es sie verschlägt. Eine akribische Vorbereitung, eine Sammlung von Informationen (auch um Gefahren gering zu halten) gehören bei ihr unabdingbar zum Reisen dazu.

 

Aber das, was sie in jungen Jahren vor allem an Lektüre verschlang und was die Lust auslöste, die beschriebenen Orte mit eigenen Augen zu sehen, das war zeitlebens Antrieb für dieses „reisende Erleben“.

 

So bildet dieser Bildband nicht nur einen vielfachen Einblick in die verschiedensten Länder, Landschaften und Gegenden der Welt, die Rohrbach bereiste, sondern ist auch zu versehen als eine bebilderte Autobiographie, die gerade in den begleitenden Texten ausführlich ihren Platz findet.

 

Sei es der „Forscherdrang“ auf Galapagos und in der Mongolei, seien es die Erfahrungen „Allein in der Fremde“ (Schottland und Marokko), seien es die Sehnsuchtsorte „Berge“ oder die  Faszination Wüste, seien es die thematisch zusammenfassenden „Lebens-Kapitel“ über den „Zauber der Ferne“ und „dem Fremden begegnen“ als praktische Verweise auf die grundlegenden Motivationen der Person Carmen Rohrbach, sei es das letzte Kapitel „Was mich treibt“, in allen Stationen und Beschreibungen dieses reisenden Lebens vermischen sich Außen und Innen.

 

Und bieten in den breiten Texten (eine Besonderheit für Bildbände) und den qualitativ hochwertigen und ausdrucksstarken Fotografien anschauliche und hervorragende Eindrücke für den Leser, der nach der Lektüre das Fernweh Rohrbachs bestens nachvollziehen kann (und vielleicht sogar ein wenig selbst angesteckt wird).

 

Die Gestalt der Nomadenfreu inmitten einer dichtgedrängten Herde von Schafen, die „luftgetrockneten“ Lehmziegelhäuser in Marokko samt einer Hochzeit, die „gewaltige Festungsmauer“ der Anden, das Wandern durch die Wüste, die kleine Hütte vor dem Spitzkopp-Massiv, vielfach in den Motiven und Themen sind die Fotografien und Stationen dieser Reisen, bei denen urwüchsige Landschaft, traditionelles Leben und Flora und Fauna gleichermaßen bestens „ins Bild gerückt!“ werden.

 

Eine faszinierende Biographie in Bild und Text.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017