National Geographic 2012
National Geographic 2012

Christoph Rehage – China zu Fuß

 

Intensive Eindrücke

 

Von Bejing nach Ürümqi über Lanzhou, Sunhuang und Hami führt der Weg, den Christoph Rehage in ausführlichen Wort- und Bildbeiträgen in seinem Buch dokumentiert. Ein Weg in ein immer noch fremdes Land, trotz aller Öffnung zum Westen, welche China in den letzten Jahren vollzogen hat.

 

Gerade die ländlichen Provinzen, die versteckten Gebiete, verstehen es, im Buch intensiv zu beeindrucken. Wo die Zeit fast stehen geblieben ist, so scheint es. Und dies ganz besonders im Gegensatz zum geschäftigen, modernen, industriellen, städtisch explorierendem China. Und da, wo beides zusammentrifft, auf dem Bild aus Shouyang etwa, der Asphalt, die Mietskasernen verschwommen im Hintergrund und mitten auf der Strasse der Bauer mit seinem Ochsen und dessen sichtbar mächtigem Atem. Ebenso ein lebendiger Widerspruch fast wie die Autobahntrasse im Spiegel des ausgetrockneten und aufgesprungenen Wüstenbodens.

 

Idyllische Allen, gewaltige Berge, die sich in klaren Seen spiegeln, eine überreiche Flora und Fauna und daneben all die vielen kleinen und großen Zeichen, wie der Mensch sich Raum nimmt, das Wirtschaften die Landschaft verändert. Immer wieder, mitten in diese Landschaften hinein dann die Menschen. Viele zerklüftete, aber freundliche Gesichter, die vom harten Alltag sprechen.

 

„In den Senken der Wüste sinkt dem Reisenden der Mut, denn Himmel und Erde scheinen um ihn herum zusammen zufallen“. Auch dies erlebt Rehage, als er die Oase Dunhuang verlässt und sich den Weiten der Wüste aussetzt.

 

Vielfach sind die Eindrücke, die Rehage von seiner Wanderung berichtet. Landschaft und Schönheit, Wüste und Krater, Industrie und Bauern, Tradition und Moderne, all dies findet sind diesem Band Ausdruck und lässt den Blick de Lesers auf  intensiven Fotografien verweilen, die Stimmungen einfangen und transportieren.

 

So gelingt Rehage durchaus, dieses weit Entfernte, Fremde, dem Betrachter nahe zu bringen und ein Verständnis für die Menschen und deren vielfältigen Lebensformen im China des 21. Jahrhunderts zu entfalten.. Auf einem Weg, der dankenswerterweise nicht metaphysisch überhöht dargestellt wird, sondern handfest und praktisch von Rehage vor Augen geführt wird.

 

„Keine großen Sorgen, nur praktische Probleme, die es zu lösen galt. So entsteht eine handfeste Sicht auf das Land und auf die Erlebnisse, die Rehage auf seinem Weg begegnet sind, bis dahin, dass er sich durch seine Annäherung je zu Fuß nicht länger als Fremder, sondern als Teil der Ortschaften empfand.

 

Christoph Rehage bietet ein ganz anderes, bodenständiges, nichtsdestotrotz sehr intensives Nacherleben seiner über 4000 Km langen Wanderung durch China. Ein sehr empfehlenswerter Bildband.

 

M.Lehmann-Pape 2012