Goldmann 2013
Goldmann 2013

Damien Echols – Mein Leben nach der Todeszelle

 

Zwischen Tod und neuem Leben

 

„Diese Geschichte aufzuschreiben ist auch eine Läuterung für mich. Ein reinigender Akt. Wie kann man den Dingen ausgesetzt sein, denen ich ausgesetzt war, ohne von ihnen verfolgt zu werden?“

 

Einer, der schon bei der Verlegung in den Hochsicherheitstrakt in Tucker „gefängnisalt“ war. Einer, eigentlich, der schon eigentlich bevor er hinter Schloss und Riegel, dann in den Todestrakt geriet, ein hartes Leben erlebt hatte.

 

Und einer, der den Leser von der ersten Seite bis zum letzten Wort daran gemahnt, was eigentlich mit all jenen ist, die vielleicht ein ähnliches Schicksal wie er erlebt haben, ohne den Erweis der Unschuld kurz, bevor alles zu spät gewesen wäre? Im eigentlichen Sinne ist das Buch kein Plädoyer gegen die Todesstrafe, sondern eine mitreißende und emotional mitnehmende Lebensgeschichte. Dennoch aber stellt sich die Frage immer wieder und im Hintergrund deutlich, ob nicht auch nur ein falsches Urteil dazu führen müsste, diese unsägliche „Strafe“ endgültig und überall abzuschaffen.

 

Daneben aber bietet Echols in ganz einfacher, treffender Sprache einen intensiven Blick auf sein gesamtes Leben, auf die 18 Jahre nach seiner Verurteilung im Gefängnis, in denen eine ganz andere Innerlichkeit, ganz andere Regeln, ein „Tag für Tag“ einfach nur dahingleiten sehen und lassen und, daneben, auf die Zeit vor allem nach Erweis seiner Unschuld und sich dem zuwenden, as für den großen Rest der Bevölkerung der „einfache Alltag“ ist. Für Echols aber eine andere, chancenreiche Welt.

 

Beginnend aber bereits bei der Härte seiner Kindheit, der Aggression seines bigotten Stiefvaters Jack, der zwar nur selten unverhohlen gewalttätig wurde, aber eine Atmosphäre beständiger Bedrohung um die Familie und vor allem Damien herum schaffte.

 

Nicht unbedingt absolut zwingend sieht Echols seine Entwicklung, wohl aber fügt er viele Puzzlesteine zusammen, die ihn in jene Situation brachten, in der er 18 Jahre hinter Gittern verbrachte. Ohne daran Schuld zu tragen, im Übrigen. Eine Zeit, für die „keine spirituelle Übung“ eine Hilfe war, in der echte Gespräche nicht möglich waren und nur Dumpfheit das Leben beherrschte.

 

Bis dann dahin, wie er nach seiner Haftentlassung tatsächlich auch innere Freiheit entfaltete, Unterstützung auch von Fremden erhielt, seinen Weg Schritt für Schritt nicht nur in äußerer, sondern auch innerer Eigenverantwortung unter die Füße nahm. Mit einer inneren Kraft und Haltung, die sich nicht entwickelt hat „trotz“ seiner Jahre im Gefängnis, sondern „durch“ diese Zeit. Der er nicht nachkartet, auch wenn er das System drastisch von Innen zu beschrieben versteht. Sondern das er im Buch einfließen lässt als Teil seiner eigenen, wichtigen Entwicklung.

 

Ein kraftvolles Buch, ungekünstelt geschrieben und ohne Pathos berührend. Und nicht zuletzt ein Buch über die (lebens-) rettende Kraft der Liebe.

 

M.Lehmann-Pape 2013