Integral 2013
Integral 2013

Elisabeth Hör-Bogacz – Gehen

 

Inspirationen für das Leben

 

„Gehen“ ist eine der einfachsten, alltäglichsten Bewegungen des Menschen (so er nicht durch Krankheit daran gehindert wird). Das „Gehen“ auch einen „Weg zu sich selbst“ darstellen kann, dass viel mehr im Gehen liegt als nur der funktionale Weg von A nach B, dass ist etwas, dessen man sich in der Regel erst einmal (wieder) bewusst werden muss.

 

Erfolge von Büchern über Erfahrungen auf Pilgerwegen weisen hier schon in eine entsprechende Richtung. Nicht erst das spirituelle Ziel oder die Haltung des Pilgerns, das

 

„Gehen an sich“ bereits hat eine wichtige, nicht zu unterschätzende Wirkung.

Dies ist das Thema des Buches.

 

„Gehen ist ein Abenteuer. Man entdeckt immer Neues. Manchmal auch sich selbst“.

So setzt es Hör-Bogacz vor die Augen des Lesers und bietet in vielfältiger, kreativer Weise Hinweise, Anregungen, mögliche „Wege des Gehens“, die den Leser inspirieren und „auf den Weg“ bringen können.

 

Schon die „negativen“ Beispiele im Buch verfehlen dabei ihre Wirkung nicht, Leicht nachvollziehbar und ganz einfach geschildert zeigt die Autorin auf, was sich viele Menschen selbst wegnehmen, so sie nicht mehr „gehen“, nur noch notwendigste Wege unter ihre Füße nehmen. Menschen, die dann eigentlich noch nicht einmal ihre engste Umgebung kennen, die Welt nicht wirklich sehen und sich selbst, nicht nur körperlich, vielleicht kaum mehr spüren.

 

Wie wichtig Muße, Entschleunigung, Durchatmen, das Erleben einfacher, sinnlicher Eindrücke sind in einer Welt der dauerhaften Anspannung und der „Multitasking-Lebensweise“, das ist nun nicht erst seit diesem Buch bekannt, wird aber hier noch einmal sehr eindrücklich betont und mit vielen praktischen Hinweisen versehen.

 

Die „langsame Gangart“ ist nicht zu ersetzten, dass glaubt man nach der Lektüre durchaus. Denn es geht nicht nur um körperliche Ertüchtigung, die in den Fitnesscentern dieser Welt reichlich zelebriert wird, sondern um eine Verbindung eines körperlichen und inneren Weges, um das Zusammenführen von Körper und Seele, im einfachen Akt des langsamen Gehens.

 

„Gehen ist rhythmische Bewegung“, drückt die Autorin im Buch aus.

 

Wobei die Art des Gehens schon von entscheidender Bedeutung ist.

Welche Möglichkeiten somit im Gehen stecken, wie Genussfähigkeit und bewusstes Gehen, meditatives Gehen und „Grün ist gut“ zusammenhängen, all das schildert Hör-Bogacz sehr anregend und verständlich in diesem kleinen Buch. Ohne gleich eine ganze Wissenschaft aus dem Gehen zu gestalten und ohne die Dinge unnötig kompliziert zu machen.

 

Weniger zu erlernende „Techniken“ sind es daher, die Hör-Bogacz dem Leser ans Herz legt, sondern ein „Augen auf beim Gehen“ ist das eigentlich entscheidende Moment. Von der „Mini-Auszeit“ eines kurzen Spazierganges bis hin zum langen Pilgerweg, für jeden und für jede „Geh-Möglichkeit“ finden sich Gedanken und Anregungen.

 

Einfach, klar und überzeugend ist dies ein sehr empfehlenswertes Plädoyer für die Kraft des Gehens und die ganz einfache Chance, mehr und mehr in Einklang mit sich selbst zu kommen.

 

M.Lehmann-Pape 2013