Ntionale Geographic 2014
Ntionale Geographic 2014

Florian Wagner, Johan Dehoust – Abenteuer Deutschland

 

Eine ganz besondere Form der Reise

 

Abenteuerlich an diesem „Abenteuer Deutschland“ sind nicht nur die teils fast entrückt und mythisch wirkenden Orte, die in diesem Bildband ihren Platz mit finden (neben satter Landschaft, romantischem Galopp und Fotografien idyllischer, kleiner Ortschaften), abenteuerlich ist vor allem die Art der Reise durch das Land, von der Zugspitze bis nach Sylt.

 

Auf Pferden „arbeitet“ sich der Fotograf Florian Wagner mit seinen fünf Begleitern durch das Land vor.

Und, wie schon das erste, doppelseitige Bild aufzeigt, durchstreift dabei Landschaften auf den Pferden, die im gebannten Bild genauso an einen See vor sanfter Hügelkette mit schroffen Felsen in Kanada erinnern, wie sie mitten in Deutschland also zu finden sind.

 

Beileibe aber nicht nur wildromantische Landschaften sammelt Wagner mit den erläuternden Texten von Johan Dehoust. Immer wieder ganz besondere Orte und Menschen werden ebenso Teil der bildlichen Dokumentation dieser Reise, wie das Team selbst, die Pferde, die Herausforderungen, die Belastungen, das freie, wilde Reiten.

 

Sei es der eindrucksvolle Moment der Arbeit des Holzschnitzers in Oberammergau, sei es die Luftaufnahme von Bayreuth, sei es die Rast der Pferde in der Bayreuther Eremitage.

 

Tiefer Wald in Bayern, endlose Felder in Niedersachsen, verwunschen wirkende Klöster und Ruinen am Wegesrand, der Ritt vor dem Lübecker Stadttor. Bekanntes und Postkartenidyllen mischen sich mit wilder Natur und intensiven Eindrücken von Menschen und Orten „am Wegesrand“, wie ebenso die „Reiseform“ selbst mit ihren besonderen Herausforderungen immer wieder Thema der Bilder und der ausführlichen, erläuternden Texte ist.

 

Wenn man bedenkt, dass bis weit in den Anfang des 20. Jahrhunderts hinein diese Reiseform die verbreitete, eigentliche Form gewesen ist, vom Postreiter über die Bevölkerung gerade auf dem Land (soweit man sich ein Pferd überhaupt leisten konnte), bekommen die vielen visuellen Eindrücke des Landes und der manches Mal einsamen Landschaften noch einmal eine tiefere Bedeutung und eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten und Reiseformen, die ganz andere, ruhigere, langsamer Eindrücke (bei aller Erschwernis) ermöglichten, als es moderne Reisearten mit sich bringen.

 

 

Dies alles findet sich bestens abgelichtet in diesem Bildband wieder und ist gerade auch in den Texten erläuternd und erklärend gut nachzuvollziehen.

 

M.Lehmann-Pape 2014