Prestel 2017
Prestel 2017

Franck Goddio, David Fabre – Osiris

 

Reich bebildert und überaus informativ

 

„Von allen ägyptischen Göttern war Osiris den Menschen am Nächsten“.

 

Und ebenfalls nun, durch diesen sorgfältig zusammengestellten und umfassenden Band kommt dieser Gott auch den heutigen Menschen zumindest in den Fakten wieder nah.

 

Ackerbau und Viehzucht, Gesetzgebung, rundweg die Zivilisation den Menschen zu bringen, das wird Osiris zugeschrieben, dem „erben und Herrscher des irdischen Königreiches“. Mit dramatischem Ende als Opfer des Brudermordes durch Seth. Und, wie es bei Göttern so ist, wieder ins Leben geholt (mit „Einhauchen neuen Atems“, was doch an die Paradiesgeschichte der Bibel wiederum erinnert). Und dessen Sohn „Horus“, der für seinen Vater Rache nahm und wieder König auf Erden wurde.

 

Wie nun, neben der Legende, das archäologische Material in vielfacher Form gefunden du geborgen wurde (Teils auf dem Grund der Bucht von Abukir) und wie die tatsächliche Geschichte sich darstellt, das zeigen Goddio und Fabre in gut lesbaren, informativen Texten und einer ebensolchen Fülle an Fotografien auf.

 

Sie es 238 v. C. in der Verbindung des Osiris-Kultes mit der verstorbenen Tochter des damaligen Pharaos, Berenike oder sei es, wie die „Nilpferdgöttin“ Horus, den Sohn vor seinem Onkel Seth schützte, bevor Horus die Macht an sich nahm, vielfach sind die Durchmischungen von Legende und Geschichte, von Inschriften und Stelen, von Statuetten und Bronzetafeln, die reichhaltig unter Wasser gefunden wurden und nun ausgestellt werden können.

 

Beeindruckend dabei nicht nur, aber doch überaus die auf dem Bauch liegende Statue des „erwachenden Osiris“, an der detailliert und genau die Virtuosität der Bildhauer zu betrachten ist.

 

Und ebenso anregend zu lesen sind die vielfachen Elemente religiöser Überlieferungen und Mythen, die ihren Niederhall in vielen religiösen Vorstellungen der geographischen „Wiege der Religionen“ findet. Dass Osiris starb und wieder aufwachte und seitdem für die Menschen ein Tor zum „Leben nach dem Tod“ darstellt und in, diskret und geheim gehaltenen, Mysterien einen umfassenden Kult hervorbrachten.

 

„Da die ägyptische und die griechische Religion weder Konkurrenten noch Antagonisten waren, vermischten sie sich in der griechisch-römischen Epoche so sehr, dass es schwierig wurde, in ihnen noch zwei Systeme mit unterschiedlichen Bekenntnissen und Praktiken zu erkennen“.

 

Was sicherlich auch das „Moderne“ an so vielen Elementen und Ideen des Osiris-Kultes erklärt, die bis heute in der ein oder andern Form Eingang gefunden haben in die Religionssysteme und kulturellen Vorstellungen (natürlich ohne dies eins zu eins wiederzufinden). Was, wie die Autoren ebenfalls ruhige und ausführlich darlegen, auch mit der engen Verbindung zum ISIS-Kult zu tun hat Mutter der Götter und Schutzherrin der leidenden Menschheit.

 

 

Götter, Tiergötter, Legenden, Fakten, Bildnisse und Artefakte, alles, was zum Osiris-Kult führt und das, was an vielfachen Verästelungen aus diesem folgte ist im Buch sorgsam zusammengetragen und in bester Weise aufbereitet für den Leser.

 

M.Lehmann-Pape 2017