btb 2013
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Gabriel Rolón – Auf der Couch

 

Erzählende Einblicke in die Psychoanalyse

 

„Die Menschen dabei zu unterstützen, die Angst, den Schmerz und die Ohnmacht zu überwinden“, darin findet Rolón seine Aufgabe als Psychoanalytiker. Und das schon seit langem.

 

Viel Erfahrung besitzt Rolón und viele Klienten hat er begleitet, Klienten, an denen sich auch Grundthemen des menschlichen Lebens an sich immer wieder Bahn brachen. In Verbindung mit seinem Talent, seine Erfahrungen auf den Punkt zu formulieren und, weit ab von jeder Form eines Fachbuches, in einfachen Worten menschlich vom Menschlichem zu erzählen, bietet dieses Buch einen Gewinn in mehrfacher Hinsicht.

 

Zum einen in den dargestellten „Fällen“ selbst, in denen der Leser das eigene Leben immer wieder mitschwingen spürt. Problematiken mit sich selbst bei den dargestellten Fallerzählungen, die durchaus auch dem Leser nicht unvertraut sind.

 

Zum anderen gelingt es Rolón, den Leser intensiv einen Blick „in den Kopf des Analytikers“ zu ermöglichen. Deutlich schildert Rolón, was in ihm vorgeht in solchen Sitzungsabläufen, bei möglichen Interventionen, in der Begleitung von Menschen mit Problemen, deren eigentliche Ursache in der Regel zunächst für keinen der Beteiligten greifbar im Raume steht.

 

Und zu guter letzt ist Rolón in der Lage, die Methode an sich, die Kernpunkte der Entwicklung in einer Analyse, die kleinen, feinen Hinweise, nachdrücklich zu schildern und zu erläutern.

 

Wie z.B., dass ein Klient sein Handy angeschaltet lässt und in der Sitzung Anrufe oder SMS von einem „Teil seines Problems“ erhält. Auf den ersten Blick ein eher unhöfliches Verhalten dem Analytiker und dem Setting gegenüber, unter Umständen noch vorschnell als reine „Abwehr“ zu werten, im Kern aber genau der Schritt, der Impuls, den das Unbewusste zur Lösung der Probleme in den Raum setzt.

 

Dies alles so klar und flüssig, in einfachen Worten und doch voller Wärme und Kompetenz zu formulieren, bildet einen gelungenen Einblick in die Analyse, in das Menschliche an sich.

 

„Jeder Patient – anders gesagt, jeder Leidende -, der zu mir kommt, ruft mich dazu auf, mich gemeinsam mit ihm auf eine Herausforderung einzulassen“. 

Die Herausforderung des gefährlichen Weges in das eigene Ich, mit all dem, was da an überraschenden Einsichten, auch Schmerzen und daraus folgenden Notwendigkeiten eigener Veränderung warten mag.

 

Verlustangst und tiefe Unsicherheit. Verwirrung zwischen Liebe und Leidenschaft. Trauer, die nicht enden will. Angst vor Zurückweisung und die Verleugnung des eigenen Wesens. Der kraftvolle Kampf gegen eine unheilbare Krankheit. Die unbeherrschte Eifersucht. Sexuelle Schwierigkeiten. Was sich hinter all dem „wirklich“ verbirgt und wie Klienten mit Hilfe des Analytikers dies ergründe, dass ist das Thema, das Rolón anhand von konkreten und mit Nähe erzählten Geschichten konkreter Menschen eindrucksvoll vor Augen führt.

 

Im Rahmen einer Methode und Haltung, in der oft gerade das unwesentlich Erscheinende, ein Traum, ein flüchtiger Gedanke, eine unbewusste Bewegung, ein kleiner Witz am Rande, ein Versprecher, die Tür zum Kern der Dinge öffnen kann (und oft wird).

 

„Denn alle Dinge stellen potentielle Türen dar“.

 

Ein sehr empfehlenswertes Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2013