Droemer 2014
Droemer 2014

Glenn Greenwald – Die globale Überwachung

 

Snowden und „Das System“

 

„Vor diesem Hintergrund wählte mich Edward Snowden ein paar Jahre später als erste Kontaktperson aus, der er Vergehen der NSA in noch viel massiveren Dimensionen enthüllte“.

 

In diesem Sinne bekommt der Begriff der „vierten Gewalt“, den Greenwald im letzten Kapitel seines Buches ausführlich beleuchtet, eine tiefe, erschreckende, weitreichende Dimension, die das Lesen dieses engagiert und mutig verfassten Buches alleine schon lohnt.

 

Sicherlich ist inzwischen vieles bekannt von dem, was Edward Snowden „verraten“ hat, was ihn zu seinem Handeln bewegte und woran natürlich eine ganze Reihe anderer, „überwachungskritischer“ Menschen beteiligt war.

 

Wenn man aber sieht, wie schwer sich Untersuchungsausschüsse tun, wie unverfroren weiter Daten abgegriffen werden, wie sehr alle Seiten (die es technisch vermögen) sich an den Daten auch einfacher Bürger hemmungslos bedienen (und natürlich auch vor hohen politischen Rängen dabei keineswegs Halt machen), wie deutlich Spuren auch in Richtung Wirtschaftsspionage von höchster Stelle aus weisen, dann haben die Ereignisse, von denen Greenwald berichtet und seine Schlussfolgerungen keineswegs an Brisanz verloren, sondern werden im Gegenteil Tag für Tag mehr erhärtet.

 

Auf der Basis von Snowdens Recherchen, die Greenwald vorliegen, führt der Autor Schritt für Schritt die Puzzlesteine zusammen, die das Leben in der neuen, digitalen Welt von dieser dunklen Schattenseite her aufzeigen. Durch die Systeme hinweg.

Denn wer gedacht hätte, das Obama mit auch nur einigen Übergriffen der Bush Regierung ein Ende macht, der sah sich klar getäuscht

 

„Landesweit gibt es mehr Unterstützung für das Datensammelprogramm im Lager der Demokraten als in dem der Republikaner“.

 

Und so wurde es auch gehandhabt. Wobei das Handy der Bundeskanzlerin nur die oberste Spitze eines immens großen Eisberges darstellt. Wie inzwischen bekannt sein dürfte.

 

Das Snowden, Greenwald, andere Aktivisten und Beteiligte umgehend unter Repressionen standen, in die Nähe des „Terrorismus“ gerückt wurden (was zumindest in Amerika eine Entschuldigung für jedwedes Vorgehen gegen solche Personen darstellt) und das dennoch sich diese Leute „den Mund nicht verbieten lassen“ sondern, im Gegenteil, minutiös das „System“ veröffentlichen, das ist ein wichtiges Element einer lebendigen Demokratie und eines sich Wehrens gegen die „vierte Macht“, so ohnmächtig dies auch zunächst wirken mag und so wenig offizielle Unterstützung es auch augenscheinlich zunächst findet.

 

Wie das genau funktioniert, was da im Hintergrund einerseits als Haltung erkennbar im Raume steht und wie diese technisch durchgeführt wird, mithin, wie unsicher alle Daten in ihrer Privatsphäre geworden sind, das beschreibt Greenwald eingängig, verständlich und klar.

 

Das damit demokratische Grundrechte von Bürgern in den demokratischen Ländern ad absurdum geführt werden, versteht sich von selbst. Und was man, an kleinen Schritten, dagegen tun kann, wie man zumindest versuchen kann, die eigene Privatsphäre in der digitalen Welt zu schützen, auch hierfür  bietet das Buch einige Anhaltspunkte.

 

Im Kern stellt Greenwald das eigene „Öffnen der Augen“ unter konspirativer Arbeit und, ab einem bestimmten Zeitpunkt, unter äußerem Druck und stetiger Vorsicht dar, das sich stellenweise packend liest und insgesamt hoch informativ dem Leser weit „die Augen öffnet“. Dem Leser vor allem, der unvoreingenommen auf die Vorgänge sieht und einem „Sammelt alles“  nicht widerspruchslos weiter gegenüber stehen will.

 

 

Ein wichtiges und gut zu lesendes Werk.

 

M.Lehmann-Pape 2014