Pattloch 2012
Pattloch 2012

Gudrun Kugler – Niemand ist eine Insel

 

Erfahrungen der Partnersuche und –Vermittlung

 

Gudrun Kugler betreibt eine katholische Partneragentur im Internet und bringt nun die Quintessenz Ihrer Erfahrungen in grundlegender Weise zu Papier. Die Theologin und Juristin sucht, das spürt man dem Buch durchaus ab, dabei einen durchaus anderen, tieferen Zugang zur „Zusammenführung“, als gemeinhin gerade von Internetportalen gewohnt. Zumindest findet sich im Buch ein breiteres Spektrum als ein oft in der professionellen Partnervermittlung anzutreffendes. Nicht nur Eigenschaften und Wünsche werden aufgenommen und abgeglichen, sondern durchaus „der ganze Mensch“ tritt in den Blick. (Und dies in den praktischen Beispielen aus der Perspektive von Männern und von Frauen.)

 

Am Besten ist dies in den Kapiteln über „Die Zeit als Single gut nützen“ und „Partnerschaftsfähig werden“ zu erfassen. Beides nämlich bedingt einander und beides kann im schlechtesten Fall dazu führen, dass im Umgang mit potentiellen Partnern und im Umgang mit sich selbst Verhärtungen, Eigenarten sich verfestigen, die es schwer machen, je „das Eis zu brechen“. Kuglers eindringliche Mahnung der „Vorsicht vor Zuviel ICH“ und der „Vorsicht vor überzogenen Erwartungen an den Partner“ sind hier genauso nachdenkenswert für Partnersuchende wie eben auch ganz grundlegend in der Lage zu sein, den und die anderen empathisch in den Blick zu nehmen.

 

Bei all dem, was einerseits an klarer Erkenntnis und durchaus auch tradierten Werten in flüssiger Sprache im Buch nachzulesen ist (und bedenkenswert im Raume verbleibt), muss dennoch auf eine gewisse „altbackene“ Ausdrucksweise in zu einfachen Postulaten hingewiesen werden. „Nächstenliebe, Güte, Beharrlichkeit, Respekt“, alles wahr und doch ein wenig verstaubt in  der Sprache klingend, was noch (im Negativen) sich leider ergänzt durch einige zu undifferenziert und zu sehr als reiner Appell im Raume verbleibenden Hinweise. Wenn dann noch die „doppelte Stärke gottesfürchtiger Männer“ beschrieben wird, steht doch allzu sehr Das Postulat eines „ heimwärts zu katholisch tradierten Werten“ im Raum.

 

Auch, wie das z.B. geht, nicht „zuviel ICH“ ins Leben zu lassen und was man  dagegen  tun könnte, das findet sich in diesem kurzen Abschnitt leider nicht wirklich aufgebarbeitet. Das man ohne „Tugenden ein Stück Treibholz“ ist, ist ein schönes  Bild, aber was genau wären individuelle Tugenden, die zum konkreten Single dann auch passen würden? Manches verbleibt nach starker Formulierung dann doch zu sehr im Vagen.

 

Dies gilt aber nicht durchgängig für das ganze Buch. In Fragen der Suche und der Gestaltung von und Begegnungen, in der Mahnung, idealtypische Vorstellungen zu erden und damit in der Grundaussage des Buches, dass es für eine erfolgreiche Partnersuche zum einen ein grundlegendes Interesse an andern Menschen braucht, eine einigermaßen versöhnte Haltung mit sich selbst und ein realistische Betrachtung dessen, was eine Partnerschaft ist und sein kann bietet Gudrun Kugler durchaus viel Nachdenkenswertes über so manch „ver-rückte“ Haltungen, Anforderungen, Fantasien, die für eine Partnersuche eher hinderlich sind.

 

Auf dem weiten Feld der Partnersuche in einer Gesellschaft mit zunehmend hohem Single Anteil ist dieses buch nicht der schlechteste „Wegführer“ für die Überprüfung der eigenen Haltung und die konkreten Elemente einer erfolgreichen Suche. Wenn auch in manchen Hinsichten Kuglers Postulate zu undifferenziert, tradiert und zu sehr rein als Appell wirken.

 

M.Lehmann-Pape 2012