C.Bertelsmann 2013
C.Bertelsmann 2013

Guillem Balagué – Pep Guardiola

 

Spieler, Trainer, Mensch

 

Natürlich werden die Erfolgreichen auf den Sockel gehoben und natürlich ist es so, dass Pep Guardiola gerade auch wegen seiner Erfolge als Spieler und Trainer eine solch breite Reputation genießt. Aber erfolgreiche Trainer gibt es nicht nur einen und etwas Besonderes ist es doch, das um den ehemaligen Erfolgstrainer des FC Barcelona mit im Raume steht.

 

Neben Respekt und Anerkennung ist es tatsächlich so etwas wie Liebe, eine ganz besondere Verbundenheit, die ihm seine ehemaligen Spieler, seine damaligen Mitspieler, die Fans, die ganze Stadt Barcelona entgegenbringen. Und das ist nicht als Regel verbreitet, was Trainer angeht, egal, wie erfolgreich sie waren.

 

Und dabei muss deutlich sein, so eng Guariola auch mit seiner Mannschaft verbunden gewesen sein mag, so sehr er auch Teil dieser weltbesten Gruppe von Spielern war (und gedanklich hier und da noch ist), Erfolg hätte auch er als Trainer nicht ohne die Kraft auch zur großen Distanz gehabt, zu klaren Ansagen, nicht ohne die Kraft, den ein oder anderen Spieler und Funktionär in die Schranken zu weisen. Auf seine ganz eigene Art.

 

Was aber macht nun diese Melange aus Nähe und Distanz, Verehrung und Wärme, „Chef“ und dennoch Teil des Ganzen aus? Das kann der Leser erst ermessen, wenn er sich mit der Geschichte des Manes, mit seiner Entwicklung und Prägung, seiner von Jugend an Identifikation mit dem konkreten Verein und seiner Bereitschaft zu harter Arbeit auseinandersetzt.

Als Jugendlicher kam Guariola zu Barcelona. „Seinen“ Verein, das war schon vorher ganz klar, darauf wurde hingefiebert. Und hierfür gab er sich ganz hinein. In das Spiel, in das Verständnis der Abläufe und in die Entwicklung seines ganz besonderen Talentes, dass er sich selbst zunächst erschließen musste.

 

„... dass Pep, der damals noch ein relativ unerfahrener, junger Spieler war, über eine angeborene Fähigkeit verfügte, die ihm in einer gemischten Gruppe aus Gleichaltrigen und Älteren und Erfahrenen die Führungsrolle zuwies“. (Louis van Gaal).

Eine Art natürlicher Führungsfähigkeit eines begabten Spielers, der mit dieser Persönlichkeit und einem intensiven taktischen Verständnis einer der Schlüsselspieler der Mannschaft über Jahre wurde. Eigenschaften, die späterhin in seiner Rolle als Trainer eben genau jene waren, die den Erfolg begründeten, aber auch die menschliche Bindung, die Nähe ermöglichten. Guardiola benötigte keinen massiven Strafenkatalog oder das Schaffen von Präzedenzfällen, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen.

 

„Er trug immer Ideen vor, aber auf eine bescheidene Art“. (van Gaal).

 

Natürlich geht es im Buch überwiegend über Fußball (bis hin zu taktischen Nachbetrachtungen und Aufstellungen wichtiger Spiele), Eine Spieler- und Trainerbiographie lässt wenig anderes erwarten.

Natürlich ist Balagué nah dran und „Sympathisant“ (ein wenig kritische Distanz hier und da hätte dem Buch nicht geschadet) und natürlich zäumt auch Balangué das Pferd erst einmal von hinten auf, beginnt mit dem letzten Champion-League Finale und der Frage, warum Guardiola „gerade jetzt“ seinen Posten verlässt. Mithin rückt Balagué damit die strahlenden „äußeren“ Dinge der bunten „Fußballblätter“ erst einmal satt vor Augen.

 

Dennoch aber gelingt es ihm im Lauf des Buches, tatsächlich etwas von der Magie des Spielers und Trainers, von der Persönlichkeit, der menschlichen Nähe und der angelernten Distanz einzufangen. Was gar nicht so einfach ist, denn einer, der sprudelnd von sich erzählt war und ist Pep Guardiola nicht.

So ist es das ein oder andere Mal eine indirekte Annäherung, die einen Blick „hinter die Kulissen des Mannes“ ermöglicht. Wie in „Pep und seine Spieler“ (Pique und Messi im Besonderen) oder auch in den Nebentönen seines Umganges mit José Mourinho.

 

Ein (nicht nur!) für Fußballinteressierte Leser lesenwertes Buch und eine gelungene Annäherung an den Spieler, Trainer und Menschen Pep Guardiola.

 

M.Lehmann-Pape 2013