Hirzel 2012
Hirzel 2012

Heike Leutschuh u.a. (Hg.) – Wende überall?

 

Das ökologische Jahrbuch 2012

 

Schon das Fragezeichen im Titel deutet es an, noch lange nicht „überall“ sehen die Autoren dieses Jahrbuches eine „ökologische Wende“. Durchaus aber, und as ist das Erfreuliche, finden sich Projekte und „Vorreiter“ eines ökologisch nachhaltigen Handelns (auch wenn das insgesamt zuwenig sind angesichts der „Sitzenbleiber“ und „Nachzügler“, von denen das Buch auch in Masse zu erzählen weiß).

 

Dennoch bleibt im großen und ganzen festzuhalten, das trotz breiter Einigkeit in Fachkreisen über eine notwendige und anstehende „große Transformation“ weiterhin vieles einfach nur Stückwerk bleibt, ein insgesamt einfach (wie seit Jahren und Jahrzehnten), nicht befriedigender Zustand.

 

Gut aber, dass der Status quo im Buch nachgelesen werden kann, der Finger auf die ein oder andere Wunde gelegt wird.

 

In der Struktur teilen die Autoren die „Wende“ in sieben Abschnitte. Stand, Form und Wirkung der Wende zeigt von „Rio 2012“ über die E-Mobilität bis zur Transformation des Wirtschaftssystems jene Bereiche auf, in denen eine „Wende“ zumindest angedacht, in Teilen angegangen wurde und wird. Ein Geschehen, dass, wie der zweite Teil hervorhebt, ständige „Allianzen“ benötigt. Auch wird ein Blick auf den aktuellen Stand geworfen. Auf, vor allem, Lehrer und Lehrerinnen als „Akteure des Transformationsprozesses“, aber auch „neue Akteure der Nachhaltigkeit“ werden benannt (in Form von „Prosumenten“, produzierenden Konsumenten unter Einbringung eigener, sinnstiftender und kreativer Leistungen, eine Entwicklung, die durch das Internet durchaus an Fahrt aufnimmt). Aber auch „nachhaltige Finanzangebote“ werden aufgezeigt, zumindest da, wo Ansätze zur Verbesserung auf dem Sektor der Finanzwirtschaft erkennbar sind.

 

Nichtsdestotrotz gibt es mannigfaltige Bereiche, die sich nicht „in“, sondern höchstens im „Vorfeld der Wende“ befinden . Was den Flächenverbrauch angeht, was knapper werdende Ressourcen angeht, die nicht aktuelle nicht im Sinne einer nachhaltigen Haltung, sondern eher in Form von Verteilungskonflikten allein „bearbeitet“ werden. Von „ständig übersehenen“ Schiffsemissionen“ einmal ganz abgesehen.

 

Am Beispiel u.a. der „Leuphana Universität Lüneburg“ sehen die Autoren allerdings auch weitgehend gelungne Umorientierungen in Hinsicht eines nachhaltigen Wirtschaftens, ebenso wie bei der „Energie in Bürgerhand“ oder Fortschritten in der Solartechnik. Ein Kapitel, das Mut macht und zu Recht in seinen „Spuren“ gesichert werden soll. Nicht zu vergessen die „Vorreiter und Vordenker“ einer ökologischen Wende und, in deren Gefolge, Umweltinstitutionen, die in ihrer Arbeit nicht müde werden.

 

Ein durchaus gemischtes Bild (wie immer), ist es, welches dieses Jahrbuch hinterlässt. Durchaus aber, und das ist hervorzuheben, tut sich an einzelnen Stellen, in einzelnen Wirtschaftsfelder und einzelnen Unternehmen durchaus bemerkenswertes. Gut, dass dies im Buch deutlich benannt wird. Spuren und Beispiele, die Schule machen können und die da, wo Erfolge nachzuweisen sind (auch ökonomische) als Vorbild dienen können.

 

Im Gesamten ein informatives Buch, das den Status quo im Lande abbildet und einerseits zwar die (teils entmutigende) Länge des weiteren Weges fassbar aufzeigt, andererseits aber durchaus hervorzuheben versteht, das an einigen Stellen durchaus mit Erfolg an einer „ökologischen Wende“ gearbeitet wird.

 

M.Lehmann-Pape 2013