Piper 2013
Piper 2013

Heimo Schwilk – Hermann Hesse

 

Flüssig zu lesende Biographie

 

Er ist immer noch einer der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Herrmann Hesse.

 

Einer jener Schriftsteller, denen neben der jeweiligen Geschichte, dem bewegenden Thema (dass Hesse immer in der Tiefe auslotete) gerade auch die Sprachform von hoher Bedeutung war. Eine Lust war es ihm, am Ende es ersten Schaffensprozesses zu streichen. Das Überflüssige, das nicht gerundete Wort, die nicht ganz treffende Formulierung.

 

Und zudem einer, der im Lebens selbst Brüche erfahren hat und verursachte, der keinesfalls das war, was man einen „einfachen Menschen“ nennen würde. Brüche, Egoismen, Neuorientierungen, die sich im Werk immer wieder verarbeitet wiederfinden, von „Unterm Rad“ bis hin zum  „Glasperlenspiel“, dem „Steppenwolf“ oder den vielen anderen Meilensteinen der Literatur, die Hesse hinterlassen hat.

 

Einer, der von Kindheit an den Drang zur Freiheit (fast notgedrungen) spürte und diesem sein Leben lang nachging. Der nicht nur der überaus großen Enge des überfrommen Elternhauses entfloh, sondern auch gedanklichen Engführungen immer wieder eine Absage in und durchs ein Leben erteilte. Nicht immer zur Freude oder zum Glück jener, die familiär eng mit ihm verbunden waren. Aber auch Hesse selbst war nicht immer „mit sich eins“, durchaus reizbar, durchaus nicht immer von „stabilem Gemüt“.

 

Eine Persönlichkeit, der Heimo Schwilk gerade in dieser Freiheitshaltung und den Reibungen, welche diese mit sich brachte, genauso sorgfältig und chronologisch nachgeht, wie er die inneren Entwicklungen des „Asketen, Buddhisten und ruhelosen Nomaden“ vor die Augen des Lesers führt. Und in Verbindung setzt mit den äußeren Ereignissen.

Von der Kindheit über die Entwicklungsjahre, von den Härten der Erziehung bis hin zur „Teufelsaustreibung“, von der (zumindest zunächst äußeren) Lösung aus dieser Welt (mit durchaus auch inneren Zweifeln), über den beginnenden Erfolg bis hin zur Lehre in Calw, beginnenden Freundschaften, Auseinandersetzungen (unter anderem mit Samuel Fischer), über viele Reisen und Eindrücke bis hin in die private „Glücksversuche“ samt deren jeweiligem Gelingen und Scheitern.

 

Chronologisch geht Schwilk diesem außerordentlichen Leben und Werk nach, verweist jeweils an den „äußeren Stationen“ immer auch auf die Werkgeschichte, stellt aber den Menschen Hesse deutlicher in den Mittelpunkt als das Werk des Schriftstellers. Gut aber lässt sich ablesen, wie vielfach äußere Eindrücke und zugleich innere Entwicklungen zu Schaffensperioden und Themen bei Hesse geführt haben, innerhalb der Klammer der phasenweise fragilen Innerlichkeit des Schriftstellers mit Zeiten des Zweifels und der Depressionen durchaus.

 

Alles in allem eine umfassende und breite Betrachtung des  Lebens von Herrmann Hesse mit seinen vielfachen Beziehungen, Verflechtungen, Impulsen und inneren Entwicklungen, die Schwilk gut lesbar mit dem Werk Hesses verknüpft. Auf jeden Fall ein guter und gelungener Einstieg für den Leser in das Leben und das Wesen Hesses.

 

M.Lehmann-Pape 2013