Wiley-VCH 2014
Wiley-VCH 2014

Heinrich Zankl, Katja Betz – Trotzdem Genial

 

Große Geister mit Handicap

 

Forscher, Erfinder, Ärzte, Wissenschaftler  sind es, denen die beiden Autoren in ihrem Buch nachgehen,

 

Menschen, die Herausragendes geleistet haben, denen aber eine weitere Besonderheit gemein ist. Alle im Buch portraitierten Personen tragen in der ein- oder anderen Weise, körperlich oder psychisch, eine „Benachteiligung“, eine Behinderung in ihrem Leben.

 

Kann es sein, dass manche Krankheiten und/oder Behinderungen eben nicht nur Nachteile mit sich, sondern beflügeln diese vielleicht gar zu besonderen Leistungen?

 

Wäre Edison ohne seine Schwerhörigkeit ein solch genialer Tüfteler und Erfinder geworden, der sich die Lösung von Problemen regelrecht  hineinbeißen konnte, Raum und Zeit vergessend? Einer, der lange Jahre bereits daran gewöhnt war, in gewisser Weise „außerhalb“ des Alltages und es Lebens anderer zu stehen.

 

Oder wäre Newton ein solcher Mathematiker geworden und seine ständig schwächelnde Gesundheit?

 

Neben diesem Gedankengang der Beförderung bestimmter Leistung durch äußere Einschränkungen bietet das Buch eine Vielfalt von Eindrücken beeindruckender Leistungen, die als Energieleistungen einem schwächelnden Körper (Hawking .a.) oder mehr und mehr abwesenden Geist (Nietzsche) teilweise abgerungen wurden. Willensleistungen sondergleichen, welche die Autoren im Buch ein um das andere Mal dokumentieren und lebendig vor Augen führen.

 

Letztendlich wird es sich nicht klären lassen, ob die konkrete Krankheit eine eher hindernde oder gar eine stark befördernde Rolle gespielt haben wird, vielleicht gilt beides zu verschiedenen Zeitpunkten. Einerseits ein „Herausgenommen sein“ aus dem „normalen“ Leben und damit ein Antrieb zur Fokussierung auf andere Bereiche, andererseits ein Kampf gegen körperliche oder geistige „Schwächen“, der oft und oft mit eiserner Energie geführt wurde.

 

Ein innerer Antrieb, das wird aus den verschiedenen Portraits sehr deutlich, welcher die Einschränkungen teilweise grundlegend ignoriert hat, so dass die Mahnung von Heinrich Marx an seinen Sohn eher ungehört verhallt ist (und nicht nur bei Karl Marx):

 

„Vergesse nicht, dass der Körper auf dieser Erde dessen steter Begleiter ist“.

 

Je Portrait finden sich die biographischen Daten, die Leistungen und, für den interessierten Leser eine große Hilfe, Erläuterungen zu den konkret vorliegenden Krankheitsbildern mitsamt der Ursachen und der Therapiemöglichkeiten.

 

 

Ein sehr interessantes Buch, ansprechend und unterhaltsam geschrieben, dass viele Informationen zu Personen und deren „Behinderungen“ beinhaltet.

 

M.Lehmann-Pape 2014