Ullstein 2014
Ullstein 2014

Heinz Buschkowsky – Die andere Gesellschaft

 

Die Veränderung der Gesellschaft durch Migration

 

 

Verständlich sprechen, die Dinge beim Namen nennen  und, zumindest aus seiner Sicht, klar auf den Punkt bringen, das sind die sprachlichen Vorteile, die Buschkowsky eben nicht nur als gerngesehener Gast in Talk Shows demonstriert, sondern die in gleicher Form auch die Lektüre seiner Bücher zu einem sehr flüssigen Unterfangen gestalten.

 

Und zum Zweiten, Buschkowsky weiß in der Regel, wovon er spricht.

Auch wenn ihm nicht jeder in seinen Bewertungen folgt, auch wenn seine teils stark zuspitzenden Aussagen hier und da Widerspruch hervorrufen, er ist einer aus der Praxis.

 

So besitzt es durchaus Gewicht, wenn Heinz Buschkoswky den „Blick auf morgen“ richtet und angesichts seiner Lebenswirklichkeit vor der eigenen Haustür und aus seinen politischen Erfahrungen heraus warnende Worte findet. Nicht auf dem besten Weg ist diese „Integrationsgesellschaft“ mit ihren vielfachen „Migrationsthemen“. Sondern auf dem Weg „auseinander“, in einzelne „Biotope“ hinein, die sich zumindest in der Tendenz gegeneinander abzuschotten beginnen.

 

Und inzwischen sind seine Worte ja in Teilen auch bereits von der Wirklichkeit überholt worden, sieht man sich die bedenklich hoher Zahl von Menschen überwiegend mit Migrationshintergrund an, die sich den radikalen Teilen des Islamismus in großer Zahl anschließen und in durchaus bemerkenswerten Zahlen gar in Syrien und anderswo mit zu den Waffen „gegen den Westen“ greifen, für einen „islamischen Gottesstaat“.

 

Natürlich schreibt und bewertet Buschkoswky aus seiner Sicht, an so manchen Stellen im Buch sehr, sehr offensichtlich. Und nicht immer kann aus dieser persönlichen Sicht heraus die „große Linie“ für die gesamte Gesellschaft gezogen werden, manches stellt sich an anderen Orten sehr viel differenzierter dar als im engeren Rahmen Neuköllns. Wobei Buschkowsky dies in keiner Form abstreitet, sondern diesen subjektiven Standpunkt eindeutig vorweg betont.

 

Dennoch sind seine Einlassungen durchweg ernst zu nehmen, denn er vermag es, punktgenau jene „Gegengesellschaft“ zu erläutern und zu verorten, die als Herausforderung für demokratische Strukturen an sich oberste Priorität der politischen Arbeit fordert. Dabei schert Buschkowsky nicht über einen Kamm, wenn er die Kernprobleme im „Islam“ verortet, sondern unterscheidet erkennbar zwischen den verschiedenen Lebensweisen und Gruppen, zwischen denen, die „ihren Weg gemacht haben“ in dieser Gesellschaft, aber eben auch anderen, die für eine Integration ihrerseits keinerlei Interesse aufbringen würden.

 

Und Bukowsky scheut sich nicht, jene radikalisierenden Strömungen zu benennen, die sich, wenn vielleicht auch noch nicht (aber öfter bereits) mit „offener Gewalt“, so doch im tiefen erkennbaren Widerstreit gegen die „westliche“ und hier demokratische deutsche Gesellschaft befinden.

 

Widerstand, der in den Augen Buschkowskys unguten Eindruck hinterlässt und gravierende Folgen für den inneren Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft nach sich ziehen kann.

 

„Es war wohl so, dass politische Vertreter bei der Offenlegung von kriminellen Vorgängen unter ethnischen Gruppen immer mit dem Vorwurf des Rassismus rechnen müssen“.

 

Klare Kante auf der einen Seite (Hinter den Gangs der organisierten Kriminalität (bei einem konkreten Beispiel im Buch) steckten muslimische Männer pakistanischer Herkunft…….die alle Frauen für zweitklassige Bürger halten und weiße Frauen für drittklassige“.

 

Gebote Vorsicht und Differenzierung, wichtige Absicherung auf der anderen Seite.

 

Das sind die Reibepunkte, die nicht leicht auflösbar scheinen und an denen Bukowsky Beispiel für Beispiel gebend seinen eher düsteren Blick auf die Zukunft festmacht.

 

Insgesamt bietet Bukowsky als „Praktiker“ eine Fülle von bedenkenswerten Hinweisen, auf die Realität einer „auseinanderdriftenden“ bundesdeutschen Gesellschaft mit diametral gegenüberstehenden Werten, Haltungen und ganz praktischen Lebensweisen.

Seine Stärke ist dabei erkennbar nicht die theoretische Reflexion und die Entfaltung von politisch differenzierten Modellen  (auch, wenn er dazu Hinweise bietet) und so manches eher intuitiv in von ihm in Zusammenhänge gebracht wird.

 

Aber als einer, der redet, wie er ist und wie er die Dinge erlebt hat, der „hinter manche Wohnungstür“ einen Blick werfen konnte und davon authentisch berichtet, sind seine klaren Einlassungen, sein Finger, den er auf offene Wunden legt, wichtige Impulse, grundlegende Probleme nicht nur zu erkennen, sondern an der Wurzel tatkräftig anzugehen.

 

 

Mit mehr statt weniger (gesamtgesellschaftlicher) Integration, wo auch nur der Hauch einer Chance besteht in dieser ganz eigenen Welt voller Friedensrichter und Ressentiments gegen ein (im eignen Verständnis) „nicht-religiöses“ und daher abzulehnendes Leben gerade in der Gesellschaft und Umgebung, in der man allerdings selber sich niedergelassen hat.

 

M.Lehmann-Pape 2014