Ullstein 2014
Ullstein 2014

Herbert Feuerstein - Die neun Leben des Herrn F.

 

Ein abwechslungsreiches Leben.

 

Das da einer als junger Mann der Liebe wegen und ohne feste Sicherheiten oder große Aussichten nach Amerika auswandert, sich in New York niederlässt, eine stundenlange Zugfahrt auf sich nimmt, um geliehenes Geld bei einem Freund wieder einzutreiben um selbst in New York nicht zu verhungern und dann bei der Rückkehr die Lebensgefährtin aber sehr hungrig wieder antrifft, das ist nur eines der prägnanten Erlebnisse dieses Lebens, das Herbert Feuerstein Revue passieren lässt.

 

Und man sollte als Leser nicht den Fehler der Journalistenschar zu bestimmten Zeiten begehen, Feuerstein selbst beständig auf seine Rolle als "Sidekick" bei "Schmidteinander" zur reduzieren.

 

Wie schon vorher zu ahnen gewesen wäre, diese Zeit nimmt nicht sonderlich viel, Raum im Buch ein (aber durchaus genügend, um die Entwicklung hin zum Fernsehen klar zu schildern), arbeitet nichts tiefschürfend auf (erweist aber durchaus Harald Schmidt Respekt als Person und für die Rolle, die er in Feuersteins Leben spielte).

 

Es gibt aber ansonsten genügend beeindruckende Stationen und Projekte Feuersteins in seiner Karriere, die er mit seinem bekannten und mit hohem Wiedererkennungsgrad versehenen depressiv-melancholischem Unterton versehen im Buch ausbreitet.

 

Das Jahrzehnt des vielfachen Erprobens in New York. Die Zeit aus Herausgeber und Verleger. Der große Erfolg von "MAD". Das immer mitlaufende Interesse an der klassischen Musik (das er im Übrigen mit Schmidt teilt und das immer wieder auch öffentlich verarbeitet wurde und wird). Die Rollenprojekte später dann "Solo" auf der Bühne und im Fernsehen mit seiner andersartigen "Reise. und Entdeckungs-Serie".

 

Einer, der seit seinem ersten Jahr in Deutschland 1970 bis zum Zeitpunkt der Verfassung des Buches 1.982.483 Euro versteuert hat (wie Feuerstein freimütig am Ende mitteilt).

 

Einer, der ebenso freimütig sein Leben als eine Verkettung von "Reaktionen auf Impulse" versteht und weniger als eine "geplante und aktiv gesteuerte" Aktion (was nicht ganz stimmt, Schmidt hatte er damals im Auto sehr gezielt und kreativ zu einer Zusammenarbeit bewegt).

 

"Ich ließ mein Leben vom Zufall gestalten, statt meine Neugier selbst zu steuern".

 

Über 2000 Auftritte in Theater und Fernsehen allein seit 1990 zeugen davon, dass seine Reaktionen auf Angebote zumindest nicht in die falsch Richtung führten.

 

In Sprache und Stil mit hohem Wiedererkennungswert gibt Herbert Feuerstein in seinem Buch einen umfangreichen Einblick in seine Leben, die äußeren Stationen, die innere "Grundverfassung" und die doch nicht seltenen Neuorientierungen, die er zu konkreten Zeitpunkten dann auch entschlossen umgesetzt hat.

 

 

Was natürlich vor allem für jene Leser von Interesse sein dürfte, die Feuersteins Karriere mit Interesse mit verfolgt und miterlebt haben.

 

M.Lehmann-Pape 2014