Suhrkamp 2013
Suhrkamp 2013

Hermann Hesse – Die Briefe 1905-1915

 

Sensible Sprache und tiefe Einsichten

 

Sprache war für Hesse immer ein besonderes, fast magisches Medium, der er nicht zuletzt auch  durch Reduktion nahe zu kommen gedachte. Die Kunst des Wegstreichens, das Herausheben der Essenz, das Ziel, nicht zu viel an Worten zu nutzen, sondern genau das rechte Maß zu finden für das, was er auszudrücken gedachte.

 

Wichtigkeiten im Umgang mit der Sprache, die, wie diese wunderbare Schau auf seine persönlichen Briefe der Jahre zwischen 1905 und 1915 zeigt, keineswegs nur reine Profession, sondern vielmehr Ausdruck der ganzen Person Hesses war.

Einer nicht immer einfachen Person, einer Person mit Ecken und Kanten und mancherlei Reibung im privaten Leben, mancherlei Entwicklung, die zum Beginn dieses genannten Zeitraum  kaum so abzusehen war. Und doch bald zu Wanderschaften des ruhelosen Geistes führen werden, die ebenfalls in den Briefen ihren Niederschlag finden.

 

Ein Wissen darum ist durchaus zu spüren, wenn Hesse anlässlich eines geplanten Umzuges nach Bern 1912 schreibt:

 

„Für mich selbst wird ein wenig Vagabundentum und Heimatlosigkeit immer dazu gehören“

 

1905 nun war Hesse gerade erst kurz verheiratet, lebte am Bodensee und stand am Beginn seines hart erkämpften, ertrotzten Schriftstellerberufes. Das erste Geld für eine Veröffentlichung gerade in der Tasche. Informationen, die dem Leser allerdings erst im Nachwort vor Augen geführt werden, die Briefsammlung beginnt umgehend mit dem ersten Brief an Theodor Rümelin aus der „neuen Welt“ des Herrmann Hesse, verheiratet und „abseits lebend, doch nicht ganz aus der Welt“.

 

Wobei in diesen ersten im Buch versammelten Briefen die innere Sorge Hesses nach finanziellem Auskommen (die ihn fast zeitlebens immer mit wieder auch innerlich umgetrieben hat) immer wieder auch mit einfließt, als Hintergrundthema zu lesen ist.

 

Ursache vielleicht auch für die Korrespondenz mit Albert Langen, einer jener Verleger, der versucht, Hesse in seinen Verlag zu locken und, natürlich,  mit höheren Tantiemen winkt. Was diesem durchaus zusagt, im Übrigen. Wie überhaupt ein guter Teil der abgedruckten Korrespondenz auch geschäftlicher Natur ist, eine innere Entwicklung mit aufzeigt vom unsicheren Hesse mit vielen unsicher vorgetragenen Vorschlägen für die Vermarktung seiner Bücher hin zu einem mehr und mehr souverän werdenden Auftreten.

 

Die, gerade in den frühen Jahren sehr ausgeprägte, Tätigkeit Hesses als Rezensent und „Empfehler wichtiger Bücher“  ist in den Briefen der ersten Zeit ebenfalls immer wieder zumindest am Rand Thema, wie auch seine Beteiligung an der Begründung der Zeitschrift „März“.

 

Insgesamt zeigen die vielen im Buch versammelten Briefe einen unverfälschten Blick auf das sich entfaltende und entwickelnde innere und äußere Leben Hesses und spiegeln ebenfalls den zunehmenden äußeren Erfolg.

 

Neben diesen inhaltlichen Momenten aber ist es vor allem eine wahre Freude, der Sprache Hesses zu folgen. Dieser Klarheit und Eleganz des Ausdrucks, der Kraft, Ding auf den Punkt zu bringen ohne grob zu werden.

 

„….eine Glosse, die ich gerne im „März“ erscheinen sähe, aber streng pseudonym, da ich leider zu den Angerempelten zum Teil persönliche Beziehungen habe und außerdem selbst ein Dichter bin“. So hört es sich bei Hesse an, wenn er dabei ist, ordentlich auszuteilen, aber ohne selbst ins Fadenkreuz geraten zu wollen.

 

Durchaus aber auch Gedanken zur „Weltlage“, zur Mobilmachung lassen sich finden, wie persönliche Nachrichten an Geschwister und Familie. Bis dahin, dass Hesse selber versucht, Vermittlungen zwischen Paris und Berlin auf den Weg zu bringen.

 

Ein buntes Bild, eine beeindruckende sprachliche Kraft auch in der Korrespondenz, Einblicke in das ganz praktisches Ergehen, die Arbeit, Anflüge von Ideen für Werke, dieser Briefband ergibt, mit den biographischen Ergänzungen des Nachwortes, ein reges und sehr interessantes Bild Hermann Hesses gerade in den Jahren der „Grundlegungen“ späterer Haltungen und auch späterer privater Veränderungen.

 

M.Lehmann-Pape 2014