Ullstein 2012
Ullstein 2012

Jürgen Trimborn – Ein Tag ist ein Jahr ist ein Leben

 

Ausführliche und intensive Biographie

 

Er war und ist einer der einflussreichsten deutschen Filmschaffenden und Regisseure (und wird dies auch bleiben). Rainer Werner Fassbinder.

 

Einer, der immer „das große Ding“ drehen wollte (und dies auch tat). Einer, der einen treffsicheren Blick für Schauspieler (und Stoffe) hatte, der so manchen bereits in der Versenkung fast verschwundenen Schauspieler oder Schauspielerin zu ganz neuen Qualitäten führte (wie Eddie Constantine) und andere „ganz groß“ machte wie Schygulla, Sukowa, Udo Kier, Güter Kaufmann, um nur einige zu nennen.

Einer, der eine ganze Reihe „wichtigster“ Filme hinterlassen hat. Der als Ziel angab „Viele Filme machen, damit mein Leben zum Film wird“, der somit tatsächlich „mit Haut und Haaren“ sich hineingab in seine Projekte, seine Filme, seine Kunst.

 

Und Jürgen Trimborn macht sich auf, das Leben und Schaffen dieses Mannes, der früh starb (und das auch nicht „einfach so“) auf gut 400 Seiten darzustellen. Gelungen darzustellen, kann man nach der Lektüre ohne weiters konstatieren. Gerade, was die Intensität Fassbinders angeht, kann man im Buch deutlich nachvollziehen, dass da ein wahrer „Besessener“ sich auf dem Regiestuhl auslebte. In 13 Jahren Schaffen über 40 Filme, davon einige mit Weltgeltung, Filme mit zeitloser Aussage, die auch in der Gegenwart noch ihre Botschaft mitzuteilen wissen.

 

Wobei es Trimorn vor allem gut gelingt, die „Basis“ darzulegen, die schwierigen Kindheits- und Jugendjahre Fassbinders. Prägende Lebenszeiten, die das Exzessive bereits ahnen lässt. Die aufzeigen, wie Fassbinder später der wurde, der ebenso „extrem lebte wie er arbeitete“.

 

Kindheit, Theaterjahre, die prägenden Zeiten des „neuen deutschen Films“, das private Leben in „Rauschund Boheme“, dahinter immer wieder die sensible Persönlichkeit, „ich will doch nur, dass ihr mich liebt“, vielfach sind die Facetten der Person, die Trimborn darlegt, neben natürlich dem Schaffen Fassbinders, auf das Trimborn ebenso ausführlich eingeht.

 

Im Stil liest sich das ein oder andere allerdings etwas trocken, gerade bei den Produktionen Fassbinders wechseln Einblick in die „Rage“ des Künstlers ab mit eher technischen Darstellungen, hier und da Intrigen unter Schauspielern oder auch eher rein deskriptiven Darstellungen von Filmen und deren Inhalten. Phasen im Buch, die auch ein wenig Mühe machen, konzentriert ob der vielen Details und Personen den roten Faden im Blick zu halten.

 

Im Gesamten aber ein fundierter, sorgfältig recherchierter und in Teilen durchaus intensiv lesbarer Einblick in Prägungen und Persönlichkeit des Rainer Werner Fassbinder, bei dem  eine Trennung zwischen Privat und Werk, Schaffen und Person wie aufgehoben erscheint. Trimorn gelingt es überzeugend, gerade jene Momente einer Person darzustellen, die sich „selbst verbrannte“. In der Kunst wie im Leben. Überaus Lesenswert, nicht nur für Filminteressierte.

 

M.Lehmann-Pape 2012