btb 2017
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James McBride – Black and Proud

 

Empathisches Plädoyer mit erdbebenhafter Sprache und viel Seele („Soul“)

 

Wobei „Seele“ bei McBride sowohl das leidenschaftliche Eindringen, Erläutern, Erklären, Nachvollziehen der Person James Brown meint, zugleich aber, und das gleich gewichtet, die „Seele“ des Funk, Groove, der „schwarzen Musik“ und des „Black Man“ Musikers an sich mit aufnimmt.

 

Und das Ganze mit solchem Verve, solch spürbarer Leidenschaft und solch ebenfalls sichtbarem Schmerz über das, was nach dem Tod James Browns mit dessen Nachlass und Person geschah und geschieht, dass es dem Leser alleine schon durch die Tiefe des Wissens um Musik des Musikers McbRide und die, teils mit der Wucht einer Dampfwalze daherkommen Sprache, hier und da den Boden unter den Füßen wegzieht.

 

Da ist die Empörung über 47 Prozesse der Nachkommen Browns und anderer „Kostgänger“, die den letzten Willen des 2006 verstorbenen „Godfather of Soul“ nicht respektieren. Der sein ganzes Vermögen für Schulbildung für arme Kinder stiften wollte.

 

„Geht zur Schule. Bildung. Geh voran. Kämpfe“. Jeder, vor allem jedes Kind (die „99 Cent Karten“ für Kinder bis 10 Jahre seiner 60er Konzerte) bekam das zu hören. „Mach was aus dieser“. In dieser Welt der „weisen Geschichtsträchtigkeit“, des offenen und verdeckten Rassismus, den McBride bis heute konkret benennt und verortet.

 

„Say it loud: I´m Black and I´am Proud!“.

 

Musik, die die Herzen erschließt derer, für die Brown singend spricht. Musik, die ihn durchschüttelt von innen nach Außen und die, bei aller Schüttelei, wie eine generalstabsmäßige „Schlacht“ konstruiert und perfekt dargeboten wird. Auch der Musiker Brown, auch seine Band, gerade die Flames, tief schürft McBride, um dem Zuschauer nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern durch Duktus und Sprache das „Ereignis Funk and Soul“ erlebbar zu machen.

 

Die chronologischen Stationen. Die Verfremdungen schon zu Lebzeiten, noch stärker nach seinem Tod in manchen Biographien und Filmportraits. Die genaue Erläuterung von Auftakten, Abtakten, Akkordschemata und Schlägen auf eins oder zwei, die McBride flüssig einbaut ebenso, wie „das Schweigen in der Musik“ seinen Raum erhält.

 

„Er hatte den Groove und spielte einfach. Was schwer ist. Er spielte so rhythmisch, das er im Grunde ein zusätzliches Schlagzeug war“.

 

Einer in Diensten des Meisters, der dessen „La Du Di“ in Form goss, in Musik übersetzte. Und das einzigartig. Im Dienst eines Mannes, der „aus dem Süden kam“. Und McBride setzt genau da an und erklärt die Selle des Musikers mit der Seele des Südens. Woraufhin man erst versteht, warum Brown sein Geld im wahrsten Sinne des Wortes immer „bei sich hatte“. In einem Zimmer im Haus.

 

„Aber keiner von Ihnen wohnte in dem mächtigen, verbotenen Haus…mit dem Spiraldach…einem in der Weihnachtszeit illuminierten schwarzen Weihnachtsmann und einer schwarzen Markise, die wie eine wilde Haartolle den Vorgarten hinunterhing. Denn keiner von Ihnen war James Brown“.

Das Buch ist ein echtes Ereignis. Gerade weil McBride die Regeln einer „gepflegten“ Darstellung gar nicht erst befolgt, sondern sofort in medias res geht. Mit Wucht und Leidenschaft. Mit Liebe Zur Musik und zu James Brown. Mit einem scharfen und klaren Blick für die Regeln des „Business“ und die Herkunft all der Spitzen-Musiker.

 

Ein Blick direkt hinein in die Seele der Musik und des einzigartigen Mannes, der diese Musik formte, erfand und verband wie kein anderer und damit einer ganzen Bevölkerungsgruppe Stimme, Ausdruck und Groove verlieh. Und Stolz.

 

 

Dringend zu empfehlen.

 

M.Lehmann-Pape 2017