Piper 2014
Piper 2014

Jan Bredack – Vegan für alle

 

Anders Leben

 

„Yes we can“ als Reminiszenz an die fast euphorische Aufbruch Stimmung „zu neuen Ufern hin“, die Barack Obama bei seiner ersten Wahl auslöste. Die Konzentration auf eine vegane Ernährung, die in den letzten Jahren hohe Popularität erlangt und vielfach bereits Eingang in die Ratgeber- und Ernährungsliteratur gefunden hat (eine neue „Welle“, kann man sagen), gepaart mit einem Ausstieg auch aus der fordernden, wichtigen, lange Zeit erfüllenden Karriere.

 

Das sind die „Zutaten“, aus denen Jan Bredack sein „Rezept“ für den Leser zusammenstellt und nichts weniger als das „richtige Leben“ propagiert Bredack mit diesen Inkredenzien für den Leser.

 

Auch wenn dies alles pathetisch und (zu) hoch angesetzt wirkt (und seit Jahrhunderten Ratgeber und Angebote für das „richtige Leben“ sich regelmäßig abwechseln), im Gesamten liest sich dieses Buch flüssig und durchaus eindrucksvoll, was ein konkretes Lebens und die Wandlungen dieses Lebens von Jan Bredack angeht.

 

Wobei man durchaus zu Recht vermuten könnte, dass diese starke Änderung, dieses „Aussteigen auf hohem Niveau“, nicht nur durch eine bestimmte Form der Ernährung plötzlich in den Raum trat. Wohl aber war der Schritt zu einem „veganen Leben“ mit ein Schritt, mit ein Augenöffner, mit eine Initialzündung für noch deutlich stärkere Veränderungen am Lebensstil, den Lebenszielen und der Lebensrichtung, die Jan Bredack vollzogen hat. Letztlich ausgelöst durch einen klassischen und umfassenden „Burn-Out“ ins einem Managerdasein bei Mercedes Benz.

 

Und, auch das sei nicht verschwiegen, das „neue Leben“ unterscheidet sich, rein von außen betrachtet, auch nicht so gewaltig vom „alten Leben“. Als Gründer einer nun Supermarktkette unterliegt Bredack ja fast den gleichen äußeren Wichtigkeiten, wie als erfolgreicher Verkäufer von Automobilen.

 

Wohl aber, und das ist im Buch klar herauszulesen, ist Bredack ein eindrucksvolles Beispiel, dass eben nicht das Äußere das Leben unbedingt bestimmt, sondern es auf die innere Haltung ankommt. Zu sich selbst und den Dingen gegenüber.

 

Erfüllt Leben statt den äußeren Erfolg zum Maßstab zu machen, bewusst mit sich umgehen und auf diese Welt zugehen, statt von außen Tag für Tag getrieben werden für den Lohn materieller Güter und zeitweiser Anerkennung.

Und das Ganze, ohne völlig aus den Rahmungen des modernen Lebens auf einen Einsiedlerhof „auszusteigen“, dafür bietet Bredack ein nachhaltiges Beispiel und lässt den Leser an seinen intensiven Reflexionen teilhaben.

 

„Ich bin nicht naiv. Ich war ein ziemlich ausgebuffter Karrierist. Vom kleinen Ossi zum Millionär. Ich war ein Tierquäler, verantwortungsloser Familienvater, Angeber und Vertilger von Massentierfleisch vor dem Herren“.

 

Bredack hat vollzogen, was er dem Leser nahelegt. Schritt für Schritt als Ausdruck einer sich verändernden inneren Haltung tierischen Produkten (mit Freude und ohne Mangel) den Rücken kehren.

 

Das geht und das macht durchaus Sinn, wie Bredack fundiert aufweist (und hier nicht nur eigene Meinungen vertritt, sondern durchaus belastbare Fakten anführt).

 

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“.

 

Unprätentiös legt Bredack seine Überlegungen vor, stellt dabei nicht sich und seine „wundersame“ Wandlung in den Mittelpunkt (auch wenn er viel illustrierend von sich erzählt), sondern vor allem den Nutzen, den eine bestimmte innere Haltung sich und der Welt gegenüber für jeden einzelnen und das Ganze austragen könnte (und an ihm ausgetragen hat).

 

 

Das ist persönlich, interessant und regt zum Nachdenken an, auch wenn es mit pathetischen Formulierungen aufwartet und gerade eine „modische Welle“ ist. Davon sollte der Leser sich nicht hindern lassen, das aus dem Buch für sich mitzunehmen, was überzeugend dargelegt wird. Es gab ja auch Zeiten, da galt das Nicht-Rauchen als spinnerte Mode von Aussteigern….

 

M.Lehmann-Pape 2014