C.H.Beck 2012
C.H.Beck 2012

Jan Caeyers - Beethoven

 

Ein leidenschaftliches Buch

 

Wirklich Neues, Aufregendes, bis dato Unbekanntes gibt es sicherlich nicht mehr zu Person und Leben Beethovens zu erzählen. Gut erforscht, vielfach in Fachbuch und Literatur verewigt sind die wesentlichen und wichtigen Fakten zu Beethovens Leben, Werk und.

 

Dass dieses Buch des Dirigenten, Musikwissenschaftlers und ehemaligen Leiters der Beethoven Akademie, Jan Caeyers, dennoch frisch, unverbraucht und mitreißend den Leser gefangen zu nehmen versteht, liegt an zwei Gründen.

 

Zum einen ist und bleibt Beethoven ein Gigant der Musik. Bleibt einer, der ein Leben mit Brüchen und Leiden lebte, äußerlich durch seine Taubheit, innerlich durch seine Zerrissenheit, seine intensive, stetige Suche und „Sehnsucht nach dem Höheren“. Immer wieder aufs Neue faszinieren daher Musik und Leben, Tiefe und Breite von Person und Werk, lassen sich nie ganz erschöpfend in den Raum stellen und wollen immer wieder, für jede Generation und Zeit, neu entdeckt werden.

In dieser Hinsicht bietet dieser voluminöse Band (gut 750 Seiten) mitsamt seinen (wenigen) Abbildungen und dem (breiten) Anhang eine umfassende Informationsmöglichkeit alleine schon, die sich nicht nur in den äußeren Fakten des Lebens erschöpft, nicht nur die Werke aufführt und erläutert, sondern in der Caeyers tatsächlich als „Grundton“ ein Blick in das Innere, die Seele, die innere Entwicklung Beethovens gelingt.

 

Gerade das letzte, große Kapitel des Buches, „Der einsame Weg“ öffnet durchaus das Herz auch des Lesers für diesen schwachen, starken Mann, für die „Ode an die Freude“ und den da schon fast erkennbaren, folgenden „Verfall des Lebens“. Trotz aller Bekanntheit auch mancher ungehobelten, unfertiger  Umgangsformen Beethovens und seiner dahinter liegenden Sehnsucht nach Wärme und Liebe, neu erlebbar wird dies im Buch und führt den Leser mitten hinein in diese Person, die Abstoßen und verweifelte Suche nach Nähe kannte und die diese Gefühlsmomente immer wieder  in Musik zu gießen verstand.

 

Dass diese emotionale Seite des Buches in dieser Form spürbar wird, dass Leidenschaft, Begeisterung, Niedergeschlagenheit nicht nur beschreibende Worte, sondern durchaus nachvollziehbare innere Zustände werden, dies liegt sicherlich an der (spürbaren) Begeisterung und Leidenschaft des Autors selbst für „seinen“ Beethoven. Dem er Tragik durchaus attestiert, aber eine Tragik, die für die Welt von hoher Bedeutung werden sollte. Denn vor allem durch die Ertaubung des Komponisten, durch die zunehmende äußere und innere Einsamkeit, durch die massiven Emotionen, die Beethoven durch dieses Schicksal erlitt und erlebte erst ist das „andere“, das „revolutionäre“, das „musikalische Weiten der Räume“ in seine Musik mit eingeflossen. Eine „Revolution“, die Caeyers zu einemd er Hauptthemen seiner  Biographie ausbaut.

 

Entwicklungen, die Caeyers emotional, doch nicht überbordend darstellt. Neben dem gesamten Lebensweg Beethovens, den musikalischen Entwicklungen zwischen den frühen Tage und der späten Klaviermusik, dem Aufwachsen, dem „Platz in der Welt“ suchen und dem ganz besonderen persönlichem Weg, den Beethovens Leben späterhin nahm.

Wege, ein Leben, dass in jeder Phase sich in Musik auszudrücken verstand. Eine Musik, die Cayers ebenso fundiert und nachvollziehbar je zu erläutern versteht, wie er die Persönlichkeit Beethovens in lebendigen Farben zu zeichnen versteht.

 

Jan Caeyrs legte eine mit Herz geschriebene, umfassende Biographie eines der größten Komponisten aller Zeiten vor, die dem Leser so gut wie keine offenen Fragen hinterlässt und ihn ebenfalls mit Begeisterung versieht. Eine echte und gelungene „Ode an Beethoven“, ohne Frage.

 

M.Lehmann-Pape 2012