National Geo
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Jana und Jens Steingässer – Die Welt von Morgen

 

Moderne Entdeckungsreisende

 

„Es war einmal. Heute sind Entdeckungen total out, stattdessen gibt es um das Internet“

 

Kurz gesagt, „Welten sollen nicht mehr entdeckt werden, sondern nur noch Produkte“.

 

So bringt Harald Welzer nicht nur seine Sicht der Welt auf den Punkt, sondern rückt in besonderer Weise die Haltung und die Wege, die aus dieser Haltung folgten, der Steingässers intensiv in den Blick und Mittelpunkt. Und das zu Recht, betrachtet man in Ruhe dieses bildkräftige Werk, dem es auch an erläuternden und interpretierenden Texten nicht mangelt.

 

Wie ist ein künftiges Leben, das auf einem geringeren Niveau was Luxus, Lebensbequemlichkeit, Konsum und Ressource mit sich bringt wird, dennoch gut, erfüllt und mit Freude und Sinn zu leben?

 

Das ist jene „Welt (und auch jene Haltung) von Morgen“, in die Jana und Jens Steingässer aufgemacht haben (und das nicht per Google!“).

 

Mit möglichst wenig zu Reisen, dahinzugehen und, vor allem, genau hinzuschauen, wo du was ein gutes Leben ausmacht, das gewohnte Leben auf den Prüfstand zu stellen, davon kündet das Autorenpaar mit diesem Bildband, in dem für den Betrachter eine Vielzahl von Impulsen bereitliegt.

 

Und allein schon jenes doppelseitige Bild fast am Ende des Werkes mit seiner immensen, bunten Pracht, ruft gleich eine Vielzahl von Eindrücken hervor.

 

So bunt kann es in der Natur sein, ein Reigen von Farben, den man länger zu betrachten hat, um all die feinen Nuancen zu erkennen, die auf diesem Bild vorhanden sind.

So bunt, wie es oft im Leben gar nicht mehr ist.

Der Wunsch entsteht, das wenigstens einmal mit eigenen Augen zu sehen und klar wird, dass dies nur dann möglich sein wird, wenn dieses Stück Natur auf diesem Bild tatsächlich zivilisatorisch unberührt bleiben wird.

 

Und dagegen halten die Autoren, bewusst im Format kleine gehalten, das Foto des Grenzzaunes zu Ceuta, in Sichtweite Europas und doch fast ein Leben davon entfernt.

 

Panoramabilder der Sahara zeigen, wo Einsamkeit möglich wäre. Durchatmen, ganz zu sich kommen, wie so viele große Männer der Kulturgeschichte, die in solcher, eher öde wirkender Landschaft, ihre Erkenntnisse, ihre Botschaft haben reifen lassen, reifen lassen mussten für eine tiefe Verankerung derselben in sich selbst.

 

„Was möglich ist, lässt sich aber meistens nur herausfinden, wenn man es selbst ausprobiert“.

 

So ist es das Ziel der Autoren, nicht nur ein Dokument der eigenen Reise vorzulegen, sondern im Leser eine gewisse Sehnsucht wachzurufen, manche der Ortschaften, der Landschaften, der Lebensweisen, der Menschen wirklich einmal zu erleben. In Ruhe und auf keinen Fall im Internet.

 

Das geht. Und das könnte anregendes in sich tragen angesichts einer Welt, die Natur nur als weiteres Instrument für möglichen Konsum und leichte Zerstreuung definiert.

 

 

Ein wunderbares, eindrucksvolles, thematisch klar ausgerichtetes und, vor allem in den Bildern, hochwertiges Buch, das eine wichtige Botschaft für die nahe Zukunft transportiert.

 

M.Lehmann-Pape 2016