Heyne 2013
Heyne 2013

Jimi Hendrix – Starting at Zero

 

Textsammlung

 

Eine in sich geschlossene, strukturierte und chronologische (Auto) Biographie wird der Leser in diesem Buch voller Texte von Jimi Hendrix nicht finden.

 

Am ehesten lässt sich das Buch als eine (einigermaßen) geordnete Sammlung von Texten, Assoziationen, Fragmenten und Statements von Jimi Hendrix bezeichnen. Wobei sich die Idee zu diesem Buch aus einer Filmbiographie entwickelte, innerhalb derer ausschließlich auf „authentische überlieferte Äußerungen“ Hendrix zurückgegriffen werden sollte. Ein Unterfangen, dass eine Fülle von Material im Lauf der Zeit ergab aus Interviews und  Notizen des „zwanghaft aufschreibenden“ Künstlers. Material, dass nun diesem Buch zu Grunde liegt.

 

Redigiert und chronologisch zusammengestellt ergibt sich so durchaus ein intensiver Einblick in die „Denke“ und Reflektion des Musikers. Wenn auch nach der Lektüre bezweifelt werden darf, dass aus all dem wirklich eine „außergewöhnlich klare und umfassende Darstellung seiner Person“ sich hier völlig offenbart. Dazu fehlt allein schon das Zusammenwirken mit der Familie und Weggefährten, mit einem „Blick von Außen“. Viele der kurzen Einblicke und Fragmente verbleiben daher im Buch ein stückweit auch solitär. Und entwickeln doch gerade daher, in Teilen, eine urwüchsige Kraft und einen unverstellten Blick.

 

Von simpelsten Interviews im „Bravo-Verfahren“ (Rauchst Du? Hast Du Hobbys, Was hältst Du von englischem Essen) reicht die Palette des Dargebotenen, bis hin zu durchaus intensiven Gedanken und dem Gefühl, sich Hendrix doch im Kern auch annähern zu können.

 

„Mein Medium ist die Gitarre“ ist solch ein tiefer gehender Eindruck.

„Die schmutzige Welt des Alltages, in der wir heute leben, verhält sich zur spirituellen Welt wie eine Amöbe“.

 

Hendrix war geprägt von seiner Zeit, von innerer Suche, von der Ablösung der Fesseln alter Normen, von der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten des eigenen, spirituellen Inneren und Erlebens. Gepaart mit seiner meisterhaften Spieltechnik kann der Leser ohne weiteres nachvollziehen, wie symbiotisch sich die innere Person des Mannes  zu seinem äußeren Instrument, der Gitarre, verhalten hat. Einblicke, die auch dem erneuten Hören der Musik hier und da neue Impulse zu geben vermögen.

 

Und ebenso nachzuvollziehen in der chronologischen Abfolge ist die zunehmende Erschöpfung des Künstlers an der Welt, am „Busniess“.

 

„Ich weiß nicht, wie mir geschieht. Ich bin völlig erschöpft, wisst ihr. Diese Pressekonferenzen und die ganzen anderen, unnötigen nervigen Sachen machen mich fertig. Mir bleibt überhaupt keine Zeit  mehr für Musik“.

 

Musik, die eigentlicher Antrieb des Mannes war. Die sowohl innerer Ausdruck als auch „Aufladung der Batterien“  mit sich brachte. Je mehr Geschäft, je mehr Interviews, Auftritte, Hits, Auftreten um des Auftritts willen, desto mehr verschwand die eigentliche, sensible Person auch aus dem Blick des Musikers selbst.

 

Eine Erschöpfung, die spürbar zunimmt im Verlauf der Lektüre und die wie ein „immer weniger Werden“ des Mannes (bis zum Drogentod) eine fast unaufhaltsame Entwicklung vorantreibt.

 

„Ich höre mich ein bisschen so an wie eine Memme“. Ein Satz, der die spätere Verzweiflung und innere Spannung über sich selbst zum Ausdruck bringt

 

Keine Biographie im eigentlichen Sinne, aber eine durchaus lesenswerte Möglichkeit, einen sensiblen Menschen, einen spirituellen „Sucher“ („Gott ist für meinen Erfolg verantwortlich“) und einen an der Welt des Musikbusiness sich erschöpfenden Mannes in seine eigenen Gedanken zu folgen. Auch wenn der ein oder andere Text im Buch eher banal wirkt.

 

M.Lehmann-Pape 2013