Heyne 2012
Heyne 2012

Joachim Köhler – Der lachende Wagner

 

Der „etwas andere“ Blick auf Wagner

 

„Angeschlagen hatten den frotzelnden Ton schon die ersten Kritiken. Man hieß ihn nicht als neuen Komponisten willkommen, sondern als Objekt für ausgefallene Scherze, als Witzfigur und Lachnummer“.

 

Wagner hatte es nicht einfach. Seine Werke bombastisch und gewaltig, anders als das Gewohnte und, wie alles Neue, mit Widerständen kämpfend. Und er selbst, eher kleinwüchsig und weit ab von dem, was man eine „strahlende Erscheinung“ nennen würde, hatte auch in persona die ein oder andere Karikatur „wegzustecken“.

 

Aber Wagner konnte durchaus auch anders, als es oft scheint. Anders als fast fanatisch, strikt, streng, überheblich, egoman, wie sein Bild nach außen es manches Mal nahelegte. Selbstironisch, mit teils krachendem Humor und Späßen, oft zu Scherzen aufgelegt. Eine Seite Wagners, die, da hat Joachim Köhler recht, nicht allzu häufig in den Mittelpunkt einer Darstellung gerückt wird. Durchaus auch mag man ihm darin folgen, dass ein gewichtiger Teil dieses Humors auch wie ein Selbstschutz sich mit entwickelt hat. Wobei immer und immer wieder, wie Köhler in vielfachen Anekdoten und Geschichten nachweist, ein Kern an Humor wohl schon „genetisch“ vorhanden gewesen war.

 

„Wäre ich ein Schafskopf, hieße ich nicht Wagner, denn alle Wagners sind besonders geniale Leute, wie man schon im „Faust“ sehen kann“.

 

Einer, der anders war, als die Erwartungen es oft erwarteten. Wie schon seine erste Aufführung im eigenen Opernhaus in Bayreuth 1875 aufzeigt, in der er durchaus mit Sinn für Humor und Übertreibung vor das Publikum tritt. Es dauerte eine Weile, bis die Besucher verstanden, was Wagner da zeigte, dann aber war „die allgemeine Überraschung und Heiterkeit groß“.

 

Eine Seite Wagners, die im Übrigen auch in seinen Werken hier und da zum Ausdruck kommt, wie Köhler z.B. anhand Beckmessers „Preislied“ aus den „Meistersingern“ kurz darstellt. Vor allem aber eben geht Köhler den vielfachen „Ausbünden“ von Wagners teils auch schrägem Humor nach, in denen Wagner sich nicht zu schade war, den „Hanswurst“ zu geben. Ausdruck der Neigung Wagners, „alle Welt und sich selbst zum Besten zu halten“.

 

Durchaus interessant und erfrischend legt Joachim Köhler seine fundiert recherchierte und Darstellung vor. Tatsächlich gelingt es ihm, Wagner von einer Seite zu zeigen, die das Bild des „über allem thronenden“ Genius durchaus differenziert aufarbeitet und den teils albernen, teils deftigen, teils hintergründigen, künstlerischen Humor des Komponisten vor die Augen des Lesers rückt. Es ist eben nicht unbedingt der „Egomane“, den man zu sehen bekommt, wenn man auf Wagner blickt, sondern auch ein „Dauerkommunikator“, der selbst „im Groll noch selbstironisch“ bleibt.

 

Nicht alle Erwähnungen im Buch sind dabei gleich interessant oder unterhaltsam, hier und da geht Köhler doch ein stückweit zu akribisch, zu genau vor in seinem Drang, (fast) jede humoristische „Zuckung“ Wagners und das „nicht Verstehen“ seiner Kritiker zu beleuchten.

 

Alles in allem bietet Köhler dennoch eine interessante und fundiert recherchierte Lektüre zu einer durchaus „eher unbekannten“ Seite Wagners, die das Lesen lohnt.

 

M.Lehmann-Pape 2013