Piper 2013
Piper 2013

Jochen Thies – Die Bismarcks

 

Eine weitverzweigte und einflussreiche Familiengeschichte

 

Im Blick auf die 200. Jährung des Todestages Otto von Bismarcks 2015 hat Jochen Thies sich aufgemacht, nicht nur Leben und Wirken dieses ersten Kanzlers Deutschland darzustellen, sondern der ganzen Familiengeschichte mit einem Schwerpunkt bei den direkten Nachfahren Otto von Bismarcks, einen breiten Raum zu geben.

 

Hierbei verfällt Thies weder in eine unkritische Schwärmerei, noch wirken seine Einlassungen zu bemüht, unbedingt Neues oder stark Kritisches zu generieren. Sachgerecht und differenziert wirkt seine Familienbiographie, die naturgemäß mit Kindheit, Jugend und Leben Otto von Bismarcks beginnt. Schon aber im Blick auf die direkt folgende Generation (Ottos und seines ältern Bruders Bruders Bernhard) führt Thies in den Lebensbeschreibungen von Ottos Sohn  Herbert und , später, des Klaus von Bismarck (Ur-ur Enkel von Bernhard) nicht allzu bekannte Lebens- und Zeitgeschichte vor die Augen des Lesers.

 

So gelingt es Theis fast spielerisch, Zeitenwenden wie das Ende des Kaiserreich, die Weimarer Republik und das dritte Reich in der Verbindung zu konkreten, öffentlichen Personen sehr lebendig darzustellen und als roten Faden die Haltung, die Irrungen, Wirrungen, aber auch die vielfachen konstruktiven Einflüsse der Familie darzustellen.

 

Das ganze legt Jochen Thies in einem sehr flüssigen, sehr verständlichen Stil vor, der dem Leser entgegenkommt und Lexikas oder ständiges hin- und herblättern, um den Faden nicht zu verlieren, überflüssig macht.

 

Ob nun der „große Sinn“ dieser Familienchronik wirklich darin gesehen werden kann, das außenpolitische Gewicht Deutschlands (das zu Bismarcks Zeiten hoch war), „aufzupolieren“, mag dahin gestellt bleiben (viel Einfluss auf den aktuellen Stand der deutschen Außenbeziehungen wird diese Chronik nun wirklich nicht nehmen).

 

Die Verzahnung der Familie in die deutsche Geschichte der letzten 200 Jahre, die breiten Verzweigungen, die „Möglichkeiten“, aber auch die „Bürde“ des Namens für nachfolgende Generationen, Höhen und Tiefen, Verluste von Besitz und auch „Heimaten“, all dies liest sich jedoch sehr informativ und anregend im Buch.

 

Das letztlich doch in Thies auch ein Bewunderer der „eisernen Kanzlers“ zu finden ist, der dessen „historische Größe“ in einem eigenen Kapitel überdeutlich betont, muss natürlich nicht in dieser Form unkritisch vom Leser übernommen werden. Fakten jedenfalls werden für den Erweis dieser „historischen Größe“ nicht geglättet oder zurecht gebogen, ein differenziertes Bild bleibt  jederzeit erhalten. Auch in Bezug auf die Beziehungen zu Hitler, die allein schon deswegen angespannt und eher negativ bewertet waren, weil dieser sich selbst häufig über den Reichsgründer erhob. Aber nicht nur reine „Namenseitelkeit“ lag hier zugrunde, auch eine Wertehaltung in großen Teilen der Familie skizziert Thies gerade an der Blaupause des Nationalsozialismus.

 

Eine eher populärwissenschaftliche, gut zu lesende und sorgfältige Familienchronik, die so manches nicht breit Bekannte in den Blick rückt du durch den überschaubaren Bildteil gut illustriert wird.

 

M.Lehmann-Pape 2013